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Das Wunder von Babelsberg

Mit großer Mühe hatte der SVB unter Trainer Hermann Andreev in einer nervenaufreibenden Saison 1999/2000 die Qualifikation für die neue zweigleisige Regionalliga realisiert. Nun trafen unsere Nulldreier erstmals auf Teams aus dem ehemals anderen Teil Deutschlands. Die neue Regionalliga Nord, deren Lebensdauer auf acht Spielzeiten beschränkt blieb, vereinte eine Vielzahl von so genannten Traditionsvereinen. Neben den alten Bekannten Union Berlin, Erzgebirge Aue und Sachsen Leipzig kamen nun Eintracht Braunschweig, Fortuna Köln, Preußen Münster, Rot-Weiß Essen und Fortuna Düsseldorf zum Gastspiel an den Babelsberger Park. In diesem Konzert der klangvollen Namen spielte unser SVB in der Vorschau naturgemäß eine kleine Nebenrolle. Doch der Saisonverlauf sollte einmal mehr bestätigen, dass nicht die großen Namen Erfolge garantieren, sondern dass Fußball als Mannschaftssport vor allem vom Teamgeist lebt und mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung individuelle Nachteile mehr als kompensiert werden können.

Umbruch im Kader

Hermann Andreev musste seine Mannschaft angesichts zahlreicher Ab- und Neuzugänge neu formieren. Neben Torwächter Oskar Kosche (Karriere-Ende) verließen mit Stephan Schmidt (Preußen Münster), Heiko Bengs (Halle 96), Guido Block (Optik Rathenow), Henne Lau (Dresdner SC) sowie Davor Krznaric (VfB Leipzig) sechs Stammspieler den SVB, insgesamt waren 14 Abgänge und 12 Neuzugänge zu verzeichnen. Der Aderlass führte seitens der Fußballwoche zur Einschätzung, dass der SVB insgesamt an Klasse verloren hätte. Insbesondere im Angriff fiel die Verstärkung mit Ratajczak (Bochum A.), Oben-Takang (Wattenscheid) und Fernando dos Santos (VFC Plauen) dünn aus. Einzig Enrico Röver von Hansa Rostock versprach Torgefahr und Unterstützung für den einzig verbliebenen Angreifer Marco Küntzel. Für spielerischen Zuschnitt sollten die Zugänge Igor Lazic (VfB Leipzig), Cem Efe (VfL Osnabrück), Björn Laars (Hansa A.) und Martino Gatti (BFC Dynamo) sorgen. Im Abwehrverbund erwartete Hermann Andreev von Zoran Tomcic (EFC Stahl) und Mentor Miftari (VFC Plauen) Stabilität. Und im Kasten sollte sich Alex Kunze (VFC Plauen) mit Youngster Matthias Hanauer und Routinier Dirk Heinrichs einen Dreikampf liefern. Hermann Andreev formulierte selbstbewusst „Wir haben Respekt vor den großen Namen, aber wir brauchen uns deshalb nicht zu verstecken“ und weiter „Im Fußball ist alles möglich!“. Er sollte Recht behalten!

Vorbereitung und Testspiele

Bevor der SVB in die Regionalliga-Saison 2000/01 starten konnte, standen natürlich zahlreiche Testspiele auf der Agenda des Trainerteam Hermann Andreev / Ingo Nachtigall. Im ersten Test - vier Tage nach Trainingsbeginn - markierte Neuzugang Enrico Röver den Ausgleichstreffer nach Vorarbeit von Emmanuel Oben-Takang (vorher Wattenscheid 09). Röver traf auf viele Rostocker Bekannte (u.a. März, Laars, Laaser, Chalaskiewicz) und fühlte sich deshalb von Anbeginn wohl am Babelsberger Park. Derweil ließen zwei von Präsident Detlef Kaminski avisierte moldawische Nationalspieler weiter auf sich warten. Ein zweiter Test gegen den EFC Stahl ging 0:2 verloren.

Eine Woche später stellte sich der 24jährige Moldawier Vitali Culibaba beim Test gegen die Reinickendorfer Füchse vor (0:0). Tags darauf gelang ein 7:1 Erfolg gegen die SG Michendorf anlässlich der 725-Jahr-Feier des Potsdamer Vorortes. Drei Tage später teste Hermann Andreev seine Elf gegen Energie Cottbus. Die Partie gegen den Bundesligisten wurde vor 2.000 Zuschauern in Goyatz am Rande des Spreewaldes ausgetragen und endete 0:0. Die nicht vorhandene Torausbeute wurde kritisiert, während die spielerischen Elemente durchaus ansehnlich waren. Nach der Partie wurde statt Culibaba der ebenfalls im Test befindliche Ex-Plauener Mentor Miftari verpflichtet.

Die nächste Partie bestritt Nulldrei gegen Optik Rathenow, schon damals regelmäßiger Testgegner des SVB. Mühevoll erarbeitete sich Babelsberg einen 1:0 Sieg. Den entscheidenden Treffer erzielte Fernando dos Santos nach Vorarbeit von Marco Küntzel. Den guten Noten nach dem Test gegen Cottbus folgten nun harsche Töne der Kritik, insbesondere die Torgefahr war unbefriedigend. Die folgende Partie gegen den BSC Süd 05 ging sogar mit 1:2 verloren, doch Hermann Andreev bewahrte die Nerven. Auf die Frage nach dem Saisonziel formulierte der Russe mutig: „Wir versuchen, guten Fußball zu spielen und einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Aber im Fußball ist alles möglich, es kann alles passieren.“ In Anbetracht der Ergebnisse der Testspiele und der Konkurrenz der Liga musste den Babelsberger Fußballfans angst und bange sein.

Im Trainingslager in Rostock-Warnemünde wurde zweimal täglich trainiert, weiter getestet und gespielt. Gegen Warnemünde gelang ein klarer 7:0 Erfolg, derweil Hermann Andreev nach einem Spieler für die Zehner-Position suchte. Reihenweise wurden Spieler nach Hause geschickt. Im letzten Test vor dem scharfen Start gegen Werder Bremen (A.) unterlag unsere Elf mit 1:2 gegen die Oberliga-Vertretung des FC Hansa. Die Trainingswoche war zwar zur Zufriedenheit der Trainer verlaufen war, die eingespielten Ergebnisse sprachen aber eine eigene Sprache. Insbesondere die zahlreichen Verletzungen bereiteten Kopfschmerzen. Heiko März musste nahezu die komplette Vorbereitung passen, Björn Laars hatte nach einem Nasenbeinbruch nur mit Maske gespielt. Auch Enrico Röver stand verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Dafür schlug Nulldrei kurz vor Punktspielstart doch noch auf dem Transfermarkt zu und verpflichtete Igor Lazic vom VfB Leipzig. Der Spielmacher hatte mit den Sachsen die Qualifikation für die Regionalliga verpasst.

Der Saisonstart

Für die Regionalliga-Premierensaison waren Union Berlin und Fortuna Düsseldorf als Topfavoriten gesetzt. Beide Clubs wurden von Michael Kölmels Kinowelt unterstützt (wie auch Braunschweig, Essen und Leipzig) und verfügten mutmaßlich über mehr als das Dreifache der beim SVB aufgewendeten Finanzmittel. Die Zuwendung des DFB aus dem Fernsehvertrag lag damals bei 640.000 DM (zuletzt 2020/21 rund 850.000 Euro = 1,665 Mio. DM). Doch auch in Babelsberg tat sich noch etwas: Am Mittwoch vor Spielstart präsentierte Detlef Kaminski das Factory Outlet B5 als neuen Trikotsponsor.

Nun sollte es also losgehen. Babelsberg 03 war am ersten Spieltag der neuen zweigleisigen Regionalliga Gastgeber für die zweite Mannschaft des SV Werder. Am 29. Juli 2000 fanden sich 1.981 Zuschauer im Karli ein. Hermann Andreev setzte fünf Neuzugänge von Beginn an ein. Neben Torwächter Kunze waren dies Mentor Miftari, Fernando dos Santos, Martino Gatti und Björn Laars. Nulldrei begann mit einem 1-2-2-3-2 System (Libero, zwei Manndecker, zwei Sechser, eine offensive Dreier-Reihe und zwei Stürmer) und dem von Hermann Andreev forcierten Kurzpass-Spiel. Babelsberg kombinierte sich zwar sehenswert durchs Mittelfeld, doch der Angriffsschwung versandete allzu häufig vor dem gegnerischen Strafraum. In der 31. Minute gelang aber eine Kombination und auf Vorlage von Marco Küntzel netzte Björn Laars in seinem Premierenspiel für Nulldrei zum 1:0 ein.

Die Führung gab allerdings kein Selbstvertrauen und so wurde der Ball im zweiten Spielabschnitt zunehmend mehr unkontrolliert nach vorn geschlagen. Werder Trainer Neubarth brachte u.a. den späteren DFB Auswahlspieler Simon Rolfes auf den Platz. Es war letztlich der fehlenden Cleverness der Gäste zu danken, dass es bis zum Schluss bei der knappen Führung blieb. Den ersten Dreier der Regionalliga-Saison 2000/01 fuhren für Babelsberg folgende Kicker ein: Kunze; Miftari, Laaser, Petsch; Civa, Lorenz; Laars (89. Grundmann), Gatti, Chalaskiewicz; Küntzel (84. Efe), dos Santos (89. Ratajczak).

Am ersten Spieltag fielen 23 Tore. Hinzu kamen fünf Platzverweise und ein erster Favoritensturz. Düsseldorf unterlag gegen Preußen Münster mit 1:2. Neben dem SVB und Münster konnten auch Union, Tebe, Braunschweig und Aue drei Punkte einfahren. Erster Tabellenführer war Wattenscheid 09 nach einem 5:3 Sieg gegen den KFC Uerdingen.

Premiere im Westen

Nach dem Auftaktspiel gegen Werder Bremens zweite Mannschaft (1:0 Sieg durch ein Tor von Björn Laars) war man im Babelsberger Lager froh. Angesichts der eher bedenklich stimmenden Ergebnisse der Vorbereitung war mit einem Dreier zu Beginn nicht unbedingt zu rechnen. Nach dem erfolgreichen Auftakt unterschrieb mit Igor Lazic ein Spielmacher beim SVB, so dass Hermann Andreev eine weitere Option zur Verfügung stand.

Das erste Auswärtsspiel der Saison 2000/2001 führte die Fans erstmals auf die A2 gen Ruhrgebiet. Die Mannschaft hingegen sollte zur Auswärtspremiere mit dem ICE anreisen. Im Stadion Rote Erde erwartete die Zweitvertretung der Borussia aus Dortmund (u.a. mit dem späteren Deutschen Meister Florian Kringe) unsere Regionalliga-Elf.

Doch zunächst stand noch ein Test auf dem Programm. Ex-Manager Levin hatte einen Testspielpartner für seinen neuen Verein Hannover 96 gesucht. Hermann Andreev kam das Spiel in Peine entgegen, weil er so eine Formation mit Lazic testen konnte. Hannover ging früh durch den späteren Babelsberger Däbritz in Führung, aber Nulldrei hielt gut dagegen. Bis zur Pause konnte der Zweitligist keinen weiteren Treffer erzielen. Nach dem Wechsel trafen Keita und der seit 1998 bis zum Laufbahnende ununterbrochen für Hannover spielende Altin Lala zum 3:0 Endstand. Zur Halbzeit wechselte der nicht unzufriedene Andreev ein 17jähriges Talent ein: Es handelte sich um einen gewissen Matthias „Übersteiger“ Rudolph.

Nun also die erste Partie im Westen: Dortmund II hatte zum Saisonauftakt bei Fortuna Köln mit 2:2 einen Punkt erkämpft, mit dem Hermann Andreev sicher zufrieden gewesen wäre. Er konnte zu diesem Zeitpunkt aber natürlich noch nicht ahnen, dass Nulldrei gegen die Fortuna wenige Monate später glanzvoll gewinnen würde. Beim aktuellen Spiel plagten das Trainerduo massive Personalprobleme. Insbesondere auf der Position des letzten Mannes war guter Rat teuer: Mit Heiko März, Mentor Miftari und Zoran Tomcic fehlten drei etatmäßige Liberos. Kurzerhand wurde der spätere Babelsberger Prototyp des Liberos, nämlich Neuzugang Björn Laars zum freien Spieler hinter der Abwehr bestimmt. Und er machte seine Sache gut. Für den angeschlagenen Michael Lorenz lief Pit Grundmann auf.

Babelsberg zeigte von Beginn an die reifere Spielanlage und war insgesamt auch die aktivere Mannschaft. Im ersten Abschnitt führte dies zwar noch nicht zur ganz großen Torgefahr, aber das spielerische Potential der Andreev-Elf war bereits deutlich sichtbar. Die größten Gelegenheiten hatten auf Babelsberger Seite Fernando dos Santos, der an Torwächter Kleinsteiber scheiterte, und für Dortmunds Borussia Pinske, der in Keeper Alex Kunze seinen Meister fand.

Nach dem Wechsel konnte Nulldrei den Gegner mehrfach mit gelungenem Kombinationsspiel beeindrucken. Insbesondere über den agilen Slawomir Chalaskiewicz wurden mehrere viel versprechende Angriffe vorgetragen. Doch noch fehlte dem letzten Pass die Präzision. Die beste Gelegenheit ließ Marco Küntzel aus, der - von dos Santos auf die Reise geschickt - noch zwei Abwehrspieler umkurvte, dann aber nicht mehr druckvoll abschließen konnte. Hermann Andreev war am Ende dennoch mit einem Punkt nicht unzufrieden, da auch Dortmund eine Großchance anzubieten hatte. Beim Schuss von Gambo aus 22 Metern hatte Alex Kunze erhebliche Mühe. Babelsberg spielte am 5. August 2000 im Stadion Rote Erde vor 820 Zuschauern mit Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Gatti, Grundmann, Civa, Lazic, Chalaskiewicz; dos Santos, Küntzel.

Nach dem zweiten Spieltag waren Aue (2:0 Sieg beim DSC) und Union (2:1 in Lüneburg) verlustpunktfrei. Vor über 7.000 Zuschauern bezwang Rot-Weiß Essen die Sachsen aus Leipzig und verhinderte nach der Auftaktniederlage gegen Münster den Fehlstart. Dafür ließen 400 mitgereiste Sachsen-Fans ihrem Unmut nach nur einem Punkt aus zwei Spielen freien Lauf. Mitfavorit Eintracht Braunschweig unterlag 1:0 in Uerdingen.

Am dritten Spieltag empfing Nulldrei den SV Wilhelmshaven im Karli. Die großen Tage des Wilhelmshavener Fußballs lagen im zweiten Weltkrieg, als die Hafenstadt wichtiger Marinestützpunkt war. In den 1990 Jahren sollte durch Fusionen ein schlagkräftiger Verein gebildet werden. Doch bereits zu Saisonbeginn im neuen Jahrtausend torkelte der SVW ziemlich führungslos dahin. Die Auftaktpartien waren verloren gegangen (vs. Aue und Fortuna Köln). Die Zeitungen berichteten von 1,5 Mio. DM Schulden und ausbleibenden Gehältern. Insgesamt 15 Neuzugänge standen sechs Spielern der Vorsaison zur Seite. Bekannteste Aktive waren der frühere litauische Repräsentative Valdas Ivanauskas und der ehemalige DFV-Auswahl-Spieler Heiko Bonan.

Hermann Andreev musste weiterhin auf Heiko März und Zoran Tomcic verzichten. So begann Nulldrei mit der Startformation des Spiels gegen Dortmund und übernahm von Beginn an die Initiative. Der erste Treffer resultierte jedoch nicht aus dem flüssigen Kombinationsspiel der ersten Hälfte, sondern aus einem katastrophalen Abwehr-Schnitzer der Gäste. Bereits nach vier Minuten nutzte Marcus „Pepe“ Petsch (!) mit einem trockenen Schuss aus zehn Metern einen abgeprallten Ball der WHV-Verteidigung. Pepes Kommentar: „Ich konnte da gar nichts falsch machen.“ Auch danach beherrschte Babelsberg die Partie, doch mit ihrer ersten Gelegenheit gelang den Norddeutschen der überraschende Ausgleich. Ivanauskas hatte Bonan bedient und der ließ Alex Kunze nach 22 Minuten keine Abwehrchance. Nach dem Ausgleich brauchte Nulldrei die Pause, um sich wieder zu fangen. Bis dahin zeigte der Ex-HSV-Torjäger Ivanauskas, was er drauf hatte. Kunze konnte jedoch zweimal glänzend parieren und hatte Glück, als ein Schlenzer des Litauers auf der Querlatte ins Aus tänzelte.

Nach dem Wechsel kam den Babelsbergern der erneut schnelle Führungstreffer entgegen. Chalaskiewicz flankte einen Eckball auf den zweiten Pfosten und Fernando dos Santos schloss per Direktabnahme aus sechs Metern ab. Ein Traumtor! Nun war der Widerstand Wilhelmshavens gebrochen und es spielte nur noch Babelsberg. Das sehenswerte Kombinationsspiel wurde mit zwei weiteren Treffern belohnt. Zunächst schlenzte Igor Lazic eine zu kurze Abwehr ins lange Eck, dann machte sich Marco Küntzel auf den Weg zu seinem ersten Saisontor. Von Almedin Civa auf die Reise geschickt, umkurvte er in hohem Tempo einen chancenlosen Verteidiger der Gäste und finalisierte überlegt in die lange Ecke.

Babelsberg erspielte sich am 12. August 2000 den zweiten Tabellenplatz nach drei Spieltagen vor 1.900 Zuschauern im Karli mit Kunze; Laars, Laaser, Petsch; Gatti, Civa, Grundmann (43. Lorenz), Lazic, Chalaskiewicz; dos Santos (66. Röver), Küntzel (78. Oben-Takang).

Spitzenreiter blieb Erzgebirge Aue mit neun Punkten und weißer Weste. Die Veilchen blieben mit dem 1:0 Auswärtserfolg bei RW Essen zum dritten Mal ohne Gegentor. Nulldrei folgte mit sieben Punkten. Preußen Münster schob sich auf den dritten Rang vor. Mit 1:0 bezwangen die Westdeutschen die Dortmunder Reserve. Für die dickste Überraschung sorgte der KFC Uerdingen beim 7:1 Auswärtssieg im Berliner Mommsenstadion. Der spätere Unioner Daniel Teixeira war mit fünf Treffern erfolgreichster Grotifant. Der Dresdner SC, für den Hendryk Lau - verletzter Babelsberger Torjäger der vergangenen Jahre - beim Nulldrei-Sieg gegen Wilhelmshaven spioniert hatte, erreichte ein 0:0 bei Fortuna Köln. Gegen den DSC wollte Babelsberg am vierten Spieltag die 0:5 Schlappe aus der Vorsaison wettmachen.

Rückschlag nach Platz 2

Der SVB war überraschend erfolgreich in die neue Liga gestartet Nach drei Spieltagen belegte Nulldrei mit zwei Heimsiegen gegen Bremen 2 und Wilhelmshaven sowie einem Auswärtspunkt bei der Dortmunder Reserve Platz 2 hinter Erzgebirge Aue. Am vierten Spieltag stand das Gastspiel beim Dresdner SC auf dem Programm. Im Gegensatz zu den Vergleichen mit dem Ortsrivalen Dynamo hatte unsere Mannschaft in den Spielen gegen den DSC wenig Fortune. Besonders bitter war die 0:5 Klatsche am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison. Im Heinz-Steier-Stadion. Diesmal sollte jedoch im Rudolf-Harbig-Stadion gespielt werden. Vielleicht war das ja ein gutes Omen.

Die Gastgeber waren bescheiden in die neue Saison gestartet. insbesondere im Angriff klemmte es. In drei Spielen gelang kein eigener Treffer. Punkteseitig waren erst zwei Zähler verbucht (je auswärts 0:0 gegen Sachsen Leipzig und Fortuna Köln, 0:2 zu Hause vs. Spitzenreiter Aue). Eigentlich hatte der Ex-Nulldreier Henne Lau, der in der Sommerpause von Babelsberg nach Dresden wechselte, den Angriff verstärken sollen, doch eine Verletzung hatte den bulligen Stürmer außer Gefecht gesetzt.

Neben der Torlosigkeit rumorte es beim DSC auch auf Funktionärsebene. Zwei Vereinsangestellte, der Marketing-Chef und der designierte Manager, wurden als Demonstranten auf einer Nazi-Demo am 1. Mai 2000 in Dresden enttarnt. Einer der beiden war Anfang bis Mitte der 1990er Jahre auch NPD-Funktionär. Obwohl seine Vergangenheit bekannt war, hatte niemand aus der Führungsriege des DSC Bedenken gehabt, den Betreffenden auf Sponsorensuche zu schicken. Nunmehr waren beide nach massivem öffentlichen Druck zurückgetreten und die verbliebenen Funktionäre waren damit beschäftigt, die Tatsachen zu verdrängen. Präsident Dathe schrieb im Stadionheft zum Punktspiel gegen Babelsberg als PS unterm Vorwort: „Im neuen DSC gab es bisher keine „braune Tendenzen“ und wir versichern Ihnen, es wird auch künftig keine „braunen Tendenzen“ geben! Das DSC-Präsidium entschuldigt sich bei allen unseren Sponsoren für die entstandene Situation.“

Hermann Andreev vertraute der Erfolgself der letzten Spiele. Lediglich Pit Grundmann musste verletzt passen. Für ihn rückte Michael Lorenz an Civas Seite im defensiven Mittelfeld. Babelsberg begann druckvoll und erspielte sich in der Anfangsphase mehrere Großchancen. Doch Marco Laaser, Martino Gatti und Fernando dos Santos scheiterten jeweils knapp. Die beste Gelegenheit hatte Slawomir Chalaskiewicz, der mit einem fulminanten Schuss zuerst die Latte und dann den Pfosten traf, aber leider nicht ins Tor. Dagegen saß bei Dresden quasi der erste Versuch. In der 18. Minute traf Ratke aus heiterem Himmel per Volleyschuss zum 1:0 für die Gastgeber. Dresdens erster Saison-Treffer nach 288 Minuten.

Danach war das Babelsberger Spiel wie abgeschnitten. Wo vorher schnell und direkt kombiniert wurde, waren jetzt Alibi- und Fehlpässe zu sehen. Nach vorn wurde kaum noch Durchschlagskraft entwickelt, auch weil sich Dresden clever weit zurückzog und dann schnell konterte. Aber auch nach Standards blieben die Gastgeber gefährlich. Aus einem ebensolchen fiel auch das 2:0 kurz vor der Pause. Maglica bediente Bustos, letzterer flankte auf Milde, der das Pausenergebnis markierte

Die zweite Hälfte ist schnell erzählt. Hermann Andreev versuchte, durch personelle Wechsel wieder Struktur ins Babelsberger Spiel zu bringen. Mentor Miftari kam zu seinem ersten Einsatz auf der Libero-Position. Dafür ging Björn Laars ins Mittelfeld für den ausgewechselten Igor „guter Fußballer“ Lazic. Für Marco Küntzel kam Emanuel Oben-Takang, später für Michael Lorenz Enrico Röver. Leider brachten diese Wechsel nicht die erhoffte Wende, ja nicht mal eine spielerische Verbesserung war zu sehen. Zu allem Überfluss markierte der eingewechselte Hendryk Lau auch noch das 3:0. Während andere Spieler nach Vereinswechseln bei Treffern gegen ihre Ex-Clubs nur sparsam jubeln, stolzierte Henne mit einem eigens gefertigten T-Shirt mit der Aufschrift „Henne ist wieder da!“ über den Rasen des Harbig-Stadions und gab dem ohnehin verkorksten Tag noch einen extra-schlechten Beigeschmack. Für Nulldrei holten sich folgende Spieler am 19. August 2000 vor 1.512 Zuschauern (ca. 150 Babelsberger) die erste Saisonniederlage ab: Kunze; Laars; Laaser, Petsch, Gatti, Civa, Lazic (46. Miftari), Lorenz (58. Röver), Chalaskiewicz; dos Santos, Küntzel (46. Oben-Takang).

Negativschlagzeilen beherrschten die Liga nach vier Spieltagen: Wilhelmshaven holte zwar den ersten Punkt (2:2 gegen Preußen Münster), gleichzeitig wurde aber auch das Insolvenzverfahren gegen den mit 1,5 Mio. DM verschuldeten Verein eröffnet. Sachsen Leipzig sammelte derweil mehr rote Karten als Punkte. Nach vier Runden standen bereits fünf Platzverweise zu Buche, aber nur zwei Zähler in der Tabelle.

Sportlich blieben Erzgebirge Aue und Union Berlin der Maßstab. Während die Veilchen mit weißer Weste und vier Siegen die Pole beherrschten (1:0 Sieg beim SC Verl), folgte Union (3:0 vs. Wattenscheid) mit neun Punkten aus drei Spielen auf Rang 2. Zur Spitzengruppe schlossen Braunschweig und Uerdingen auf. Beim 2:1 Erfolg der Eintracht traf der Ex-Babelsberger Kais Manai doppelt gegen den Lüneburger SK. Uerdingen reichte ein 1:1 gegen Sachsen Leipzig, um Platz vier zu erobern. Babelsberg fiel in der Tabelle von Rang 2 auf 7.

Pokalklatsche gegen Bochum

Am vierten Spieltag der Regionalliga-Saison 2000/2001 wollte unsere Mannschaft beweisen, dass Babelsberg auch gegen den Dresdener Sport-Club gewinnen kann. Doch statt der Revanche für die 0:5-Klatsche der Vorsaison gab es erneut eine heftige Niederlage. Nach gutem Beginn brach die Andreev-Elf nach dem ersten Gegentor völlig ein. In der krummen Tabelle, es wurde mit 19 Teams gespielt, lagen Aue und Union Berlin jeweils verlustpunktfrei vorn.

Babelsberg erwartete am fünften Spieltag auf Rang 7 liegend den west-deutschen Tabellennachbarn Rot-Weiß Essen. Der Traditionsverein von der Hafenstraße hatte zwar bei Tebe und in Aue verloren, dafür aber mit Sachsen Leipzig und Fortuna Köln zu Hause zwei Titelaspiranten geschlagen. Der westdeutsche Meister von 1955 verfügte mit dem ukrainischen Auswahlspieler Polunin sowie den Ex-Bundesliga-Profis Rahner und Wolf über einen stark besetzten Kader. Herman Andreev musste weiter auf Libero Heiko März verzichten und vermisste den Ex-Rostocker mit seiner Routine vor allem bei Standards schmerzlich. In Dresden waren alle Tore nach ruhenden Bällen gefallen. Dafür konnte aber Mentor Miftari wieder mitwirken, Björn Laars sollte seine Offensivqualitäten im Mittelfeld einbringen.

2.027 zahlende Zuschauer hatten sich am 23.08.2000, einem Mittwoch-Abend, im Karli – damals noch ohne Flutlicht – eingefunden und sahen eine stürmische Anfangsphase der Gäste. Alex Kunze musste gegen den Ex-Schalker Sascha Wolf nach fünf Minuten Kopf und Kragen riskieren. Mit zunehmender Spieldauer bekam Nulldrei das Heft des Handelns aber fester in die Hand. Jedoch versäumte es dos Santos mehrfach, sich bietende Gelegenheiten zu nutzen. Auch Slawomir Chalaskiewicz rutschte der Ball nach Vorarbeit von Martino Gatti und dos Santos über den Spann und die Querlatte. Auf der Gegenseite musste der Mann aus den Bergen erneut gegen Wolf retten.

Nach dem Wechsel dominierte der SVB, ließ nur noch eine Chance für Essen durch Polunin zu. Doch erneut fiel kein Tor. Marco Küntzel und Chalaskiewicz hatten die besten Gelegenheiten, die Partie frühzeitig zu entscheiden, während auf der Gegenseite Wolf im zweiten Abschnitt vom überraschend als Manndecker aufgebotenen, stark aufspielenden Mentor Miftari abgemeldet wurde.

Unterm Strich empfanden Spieler und Fans das Unentschieden als Niederlage. Gästetrainer Berge war mit dem glücklichen Punktgewinn zufrieden. Für Nulldrei agierten: Kunze; Laars; Laaser, Miftari; Gatti, Lorenz, Civa, Lazic (65. Röver), Chalaskiewicz; Küntzel (79. Ratajczak), dos Santos.

Spitzenreiter Erzgebirge Aue gab erstmals in dieser Saison alle Punkte ab. In Krefeld beim KFC Uerdingen unterlagen die Veilchen trotz guter Leistung mit 1:0. Union Berlin und Eintracht Braunschweig trennten sich in einem Spiel mit Zweitliga-Format vor 14.000 Zuschauern im Stadion an der Hamburger Straße 0:0. Auf Platz 2 kletterte Preußen Münster mit einem glatten 4:0 Abschuss des DSC. In Leipzig war hingegen Schluss für Volkan Uluc. Mit zwei Punkten aus fünf Spielen war der ehrgeizige Berliner nicht zufrieden. Nulldrei rangierte weiter auf Platz 7.

Die englische Woche sollte mit dem Erstrunden-Spiel im DFB-Pokal abgeschlossen werden. Zu Gast war die graue Maus der Bundesliga. Auch als Fahrstuhlmannschaft ist der VfL Bochum bekannt. Trainer Rolf Zumdick wählte in den PNN die üblichen Floskeln (...werden Babelsberg nicht unterschätzen..., ...bereiten uns intensiv vor...,...denken nur von Runde zu Runde...) während Präsident Detlef Kaminski hoffte, die VfL-Spieler würden des Trainers Worte in den Wind schreiben. Das damalige Fernsehgeld betrug übrigens für die erste Runde 50.000 DM (~ 25.000 Euro). Die Eintrittspreise im Karli beliefen sich auf 30 DM für überdachte Sitzplätze, 20 DM (erm. 17 DM) für nicht überdachte Sitzplätze, sowie auf 17 DM (erm. 10 DM) für Stehplätze.

Im Gegensatz zum Vorjahr (Unterhaching und Freiburg) ließ der Bundesligist diesmal nichts anbrennen. Von Beginn an kombinierten die Peschels und Bastürks zu schnell und zu direkt für unsere Elf. Nach 13 Minuten besorgte Peschel das 1:0, nach 25 Minuten nutzte Buckley ein Missverständnis zwischen Marco Laaser und Marcus Petsch zum 2:0. Die erste und einzige Gelegenheit der ersten Hälfte für Nulldrei konnte Marco Küntzel leider nicht verwerten. Sein Schuss kratzte Mamic für den bereits geschlagenen van Duijnhoven von der Linie. Noch vor dem Pausentee erhöhte Bastürk auf 3:0.

Nach dem Wechsel kam die Gala von VfL-Stürmer Achim Weber. Doch zunächst versuchte Herman Andreev mit einer taktischen Umstellung die Defensive zu stabilisieren. Björn Laars wechselte auf die Libero-Position, Mentor Miftari übernahm für Marcus Petsch die Manndecker-Rolle. Der Ex-Bochumer Jacek Ratajczak erhielt eine Chance für den enttäuschenden dos Santos und Enrico Röver wechselte ins Mittelfeld. Plötzlich keimte Hoffnung auf, als Chalaskiewicz Küntzel bediente und dieser zwei Minuten nach dem Wechsel auf 1:3 verkürzte. Auf einmal herrschte wieder Pokalstimmung im vorher stillen Karli. Doch Chalaskiewicz und Ratajczak brachten den Ball bei guten Gelegenheiten nicht im Gehäuse unter. Dafür erzielte auf der Gegenseite der oben erwähnte Achim Weber einen lupenreinen Hattrick und besiegelte damit die höchste DFB-Pokal-Niederlage Nulldreis aller Zeiten. Vor 3.153 Zuschauern traten am 26. August 2000 im Karli folgende Spieler für Babelsberg gegen Bochum an: Kunze; Miftari (79. Grundmann); Laaser, Petsch (46. Röver); Gatti, Lorenz, Laars, Civa, Chalaskiewicz; dos Santos (46. Ratajczak), Küntzel.

Zu viele Remis

Nach dem erwartbaren Pokal-Aus gegen den VfL Bochum kehrte Nulldrei mit dem sechsten Spieltag in den Liga-Alltag zurück. Gegner war der SC Verl aus der Kleinstadt im östlichen Westfalen. Der Gegner hatte sich mit einem enormen Schlussspurt in der Regionalligastaffel West der Vorsaison die Teilnahme an der neuen zweigleisigen Regionalliga erkämpft. Seit Saisonbeginn zeichnete der spätere Bundesligatrainer Dieter Hecking (u.a. Hannover 96) für die Verler verantwortlich. Die Gastgeber hatten ihre bis dato sieben Punkte durch zwei Auswärtssiege bei Sachsen Leipzig und gegen Fortuna Köln sowie durch ein Heim-1:1 gegen Tennis Borussia erspielt. Die Heimschwäche des SCV machte Nulldrei zwar Mut, allerdings war de, SVB auf des Gegners Platz bisher noch kein Treffer gelungen.

Der SC Verl bestimmte zu Beginn zwar das Spiel, doch bereits nach zehn Minuten übernahmen unsere Nulldreier die Regie. Auch wenn Slawomir Chalaskiewicz in der 39. Minute das 1:0 erzielte, deutete sich bereits im ersten Abschnitt das Drama der Partie an. Denn Babelsberg war an diesem Tage nicht in der Lage, beste Gelegenheiten zu verwerten. Mit intensivem Pressing sowie hervorragendem Kombinationsspiel wurden mehrfach einträgliche Torchancen inszeniert, allein es haperte im Abschluss. Beispielhaft seien die Möglichkeiten von Michael Lorenz und Marco Küntzel genannt.

Die mangelnde Torausbeute steigerte sich im zweiten Abschnitt ins nahezu Unerträgliche. Im Minutentakt vergaben Martino Gatti, Almedin Civa, erneut Küntzel und Lorenz sowie Mentor Miftari hochkarätige Gelegenheiten. Verls Coach Hecking sprach davon, dass seine Elf während der 25 Minuten nach der Pause zum Abschuss freigegeben war. Doch der zweite Treffer wollte einfach nicht fallen und so kam es wie so häufig im Fußball: 20 Minuten vor Ende der Partie kassierte Miftari nach Halten des Gegners die Ampelkarte. Den fälligen Freistoß konnte die Nulldrei-Hintermannschaft noch blocken. Doch beim zweiten Versuch traf Milde für die Gastgeber zum absolut überraschenden 1:1 Ausgleich.

Bei Babelsberg ging fortan offensiv nur noch wenig zusammen. Verl kam besser ins Spiel, ohne jedoch zu überzeugen zu können. Als wäre der Spielverlauf nicht schon traurig genug, sah in Chalaskiewicz ausgerechnet einer der besten Babelsberger auch noch die rote Karte. Schließlich musste Trainer Hermann Andreev noch froh sein, überhaupt einen Punkt mitzunehmen, denn in der Schlussphase wehrte Alex Kunze einen der wenigen Schussversuche Verls direkt vor die Füße eines gegnerischen Angreifers ab. Gott-sei-Dank nahm dieser das Geschenk nicht an.

Holger Paeck, damaliger Redakteur der Babelsberger Stadionzeitung NULLDREI, ließ sich trotz des unglücklichen Spielverlaufs zu einem optimistischen Fazit hinreißen: „Wer mit so viel Spielfreude auf des Gegners Platz agiert, wer so viel an ehrlicher Leidenschaft einzubringen hat, wer bei allem Tempo auch noch höchste Präzision und Spielkultur auf den Rasen zaubert, der kann und muss sich an den Großen der Liga messen lassen – wenn, ja wenn diese Präzision auch mal bei den Abschlusshandlungen Einzug hält.“ Wahrscheinlich ahnte „HP“ nicht, wie gut er den weiteren Saisonverlauf damit vorhergesagt hatte.

Nulldrei spielte am Sonnabend, 2. September 2010, im Stadion an der Poststraße in Verl mit Kunze; Laars; Miftari, Laaser; Röver (76. Petsch), Gatti, Lorenz, Chalaskiewicz, Civa; Ratajczak (58. dos Santos), Küntzel.

Erzgebirge Aue verteidigte die Tabellenführung durch einen 2:1 Auswärtserfolg beim VfB Lübeck. Union Berlin war ebenfalls siegreich – gegen Tennis Borussia gab es im Berliner Stadtderby vor 5.284 Zuschauern einen klaren 3:1 Erfolg für die Schlosserjungs. Weiter im Tabellenkeller hing Düsseldorf fest. Vor nur 585 Zuschauern im Harbig-Stadion unterlag die Fortuna 0:1 gegen den DSC. Fortuna Köln mit Trainer Vollmann (später u.a. Hansa, Münster, Braunschweig) besiegte überraschend den nächsten SVB-Gegner KFC Uerdingen auswärts mit 2:0. Nulldrei lag mit zwei Siegen, drei Remis und einer Niederlage auf Rang 8.

Personalsorgen und fehlende Effektivität

Bevor am siebten Spieltag die Partie gegen den KFC Uerdingen folgen sollte, musste Babelsberg einen Tiefschlag hinnehmen. Chalaskiewicz wurde nach seiner roten Karte vier Spiele Sperre hinnehmen. Da auch Miftari fehlte, war Andreev gezwungen, seine Elf umzustellen. Für Miftari kehrte Marcus Petsch in die Startelf zurück, für den Chalaskiewicz-Ersatz boten sich Enrico Röver und Igor Lazic an. Besonderes Augenmerk galt dem KFC-Angreifer Daniel Teixeira (später Union Berlin), der bereits neun Mal getroffen hatte. Er hatte damit maßgeblich dazu beigetragen, dass die Uerdinger überraschend auf Rang 5 lagen.

Vor offiziell 1.918 Zuschauern begannen die Gäste das Spiel als klar bessere Mannschaft. Durch den starken Italiener Giancarlo Fiore angetrieben, setzten sich die Rheinländer mehrfach gut in Szene. Zum Glück war ihr Sturm-Ass Teixeira bei Marco Laaser und Petsch in guten Händen. Und wenn den Gästen doch einmal der Abschluss gelang, war Kunze mit mehreren starken Paraden zur Stelle. Auf der Gegenseite agierten Küntzel und Lazic bei ihren Gelegenheiten zu umständlich. Zur Pause stand es so 0:0.

Im zweiten Abschnitt sahen die Zuschauer einen stark verbesserten SVB, der jetzt deutlich mehr Zweikämpfe gewann und zielstrebiger agierte. Allein es fehlte der Torerfolg. Dabei hatten Röver, Lazic, dos Santos und Küntzel erneut gute Gelegenheiten, einen Treffer zu markieren. Am Ende blieb es auch in diesem Spiel und damit zum dritten Mal in Folge beim Unentschieden.

Für Nulldrei spielten am 9. September 2000 im Karli Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Gatti, Lorenz, Civa, Lazic, Röver (77. Militic); Ratajczak (57. dos Santos), Küntzel.

An der Tabellenspitze konnte Erzgebirge Aue seine Spitzenposition ausbauen. Zwar schrammten die Veilchen mit dem knappen 1:0 Erfolg beim Schlusslicht Lüneburg an einer Blamage vorbei, durch die 0:2 Niederlage von Union Berlin beim wiedererstarkten FC Sachsen Leipzig konnte Aue seinen Vorsprung auf vier Punkte ausbauen. Neuer Zweiter war nunmehr Preußen Münster (4:2 vs. Verl), Dritter war nun Lübeck (3:0 vs. Fortuna Köln). Babelsberg rangierte mit 10 Punkten aus sieben Spielen weiter auf Rang 8.

Ein erstes Ausrufezeichen

Nach sieben Spieltagen der Regionalliga Nord 2000/2001 war unsere Elf zum Unentschieden-König der Staffel avanciert. Insgesamt vier Mal – zuletzt drei Mal in Serie gegen Essen, Verl und Uerdingen – teilte man sich die Punkte. Nun stand am achten Spieltag der schwere Gang nach Lübeck auf dem Programm. Die Nordlichter waren zuletzt stark aufgekommen und hatten sich auf Platz 3 vorgearbeitet. Babelsberg sollte beim ersten Pflichtspiel auf der traditionsreichen Lohmühle die Außenseiterrolle spielen. Im Programmheft wurde unsere Mannschaft dagegen stark geschrieben: Die Spielstärke wurde höher eingeschätzt als die des Tabellenführers Aue.

Circa 150 Babelsberger hatten sich auf den Weg nach Schläfrig-Holstein gemacht, um unsere Nulldreier zu unterstützen. Der Fußballgott meinte es gut mit den Spielern, aber schlecht mit den Fans. Es regnete dauerhaft, was damals als Babelsberger Wetter und gutes Omen galt. Hermann Andreev ließ den auf der Libero-Position bewährten Björn Laars und Marco Laaser sowie Marcus Petsch als Manndecker verteidigen. Enrico Röver übernahm die Chalaskiewicz-Position links, Mentor Miftari die rechte Bahn. Vorn stürmten Fernando dos Santos und Marco Küntzel.

Lübeck versuchte die Gäste die sofort unter Druck zu setzen, doch von Beginn an hielt Babelsberg dagegen und hatte durch sein schnelles Offensivspiel mehr Überraschungsmomente. Lübeck setzte demonstrativ auf Kampf und Kraft. Nachdem Küntzel bei seiner ersten Gelegenheit am späteren Nürnberger Bundesliga-Keeper Raphael Schäfer gescheitert war, ging Lübeck nicht unverdient, aber glücklich 1:0 in Führung. Einen Fallrückzieher von Türkmen nahm Harf auf und vollendete am chancenlosen Kunze vorbei. Jetzt hatte der VfB Oberwasser, doch Bärwolf scheiterte zwei Mal in aussichtsreicher Position.

Im zweiten Spielabschnitt entwickelte sich eine Klassepartie auf höchstem Drittliga-Niveau mit Strafraumszenen auf beiden Seiten. Babelsberg kam sichtlich motiviert aus den Katakomben, bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff scheiterte dos Santos nur knapp. Doch die SVB-Kicker ließen sich nicht entmutigen. Angriff auf Angriff rollte gegen das Tor der Gastgeber. Schließlich war es der schnelle Küntzel, den die Lübecker nie richtig in den Griff bekamen, der mit aller Entschlossenheit zwei Verteidiger versetzte und per eiskaltem Lupfer den Lübecker Torwart narrte. 1:1.

Lübeck antwortete mit wütenden Angriffen, kam aber nur selten durch und musste bei schnellen Gegenstößen auf der Hut sein. Zweimal hätte der lauf- und spielstarke Martino Gatti treffen können, doch seine Stärke lag eher in der Vorbereitung als im Abschluss. Das Nulldrei dennoch in Führung ging, war einer starken Einzelleistung zu verdanken. Mentor Miftari zeigte ungeahnte Offensivqualität, mit der auch die Lübecker nicht rechneten. Sie ließen ihn an der Mittellinie starten, griffen nicht an und Mentor vollendete mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze. Jetzt war der erste Auswärtssieg zum Greifen nah, doch eine heiße Schlussphase hielt die klitschnassen Nulldrei-Fans in Atem.

In einem offenen Schlagabtausch bearbeiteten sich beide Teams, Lübeck wollte einen Punkt retten, Nulldrei die Entscheidung herbeiführen. Zunächst schien Lübeck die glücklichere Elf zu sein. Einen Freistoß von Kullig fälschte Björn Laars nach 84 Minuten unhaltbar ab. Ausgleich und Trauer waren die Folge. Laars wurde kurz danach mit Krämpfen ausgewechselt, beide Teams waren stehend K.O.. Da fasste sich erneut Marco Küntzel ein Herz, marschierte an seinem bemitleidenswerten Gegenspieler vorbei und traf zum absolut verdienten 3:2 Endstand.

Im 150. Pflichtspiel von Marcus „Pepe“ Petsch für den SVB hatten sich vor 3.200 Zuschauern am 16. September 2000 folgende Spieler für Nulldrei ins Zeug gelegt: Kunze; Laars (89. Grundmann), Laaser, Petsch; Miftari, Gatti, Civa, Lorenz, Röver; Küntzel, dos Santos (80. Ratajczak).

Im Spitzenspiel brachte Tabellenführer Erzgebirge Aue dem Tabellenvierten Union Berlin vor heimischem Publikum an der Alten Försterei die zweite Niederlage in Folge bei. Im Verfolgerduell schlug der Fünfte Uerdingen den Zweiten Münster mit 6:1. Am Tabellenende stand weiterhin Babelsbergs kommender Gegner Lüneburger SK mit einem Punkt aus sieben Spielen.

Lüneburgs Weckruf

Die Gäste des neunten Spieltages aus der Lüneburger Heide waren jedoch keineswegs so schlecht wie es die Tabelle dem schlichten Betrachter vorgaukelte. Gegen die Spitzenkräfte der Liga (u.a. Aue, Union, Braunschweig) hatte der LSK jeweils nur mit einem Treffer Unterschied verloren. Und der Babelsberger Fan kannte schon damals die Schwäche unserer Mannschaft gegen abgeschlagene Tabellenletzte.

Doch zunächst sah alles nach einer klaren Angelegenheit aus. Bereits nach 31 Sekunden netzte Marco Küntzel zur 1:0 Führung ein. Es war sein fünfter Saisontreffer. Nur drei Minuten später hätte er seinen Sechsten folgen lassen müssen, doch es schob die Kugel am leeren Tor vorbei. Fortan beherrschte Nulldrei Spiel und Gegner, ließ aber weiterhin beste Gelegenheiten aus. Mit der knappen Führung ging es in die Kabinen.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb Nulldrei die klar bessere Elf. Als Andreev nach 60 Minuten Slawomir Chalaskiewicz (seine Sperre war nach mündlicher Verhandlung von vier auf zwei Spiele verkürzt worden) und Igor Lazic brachte, ging Röver für dos Santos in die Sturmspitze. Diese Maßnahme brachte sofort Ertrag, denn Röver markierte nach Vorlage von Miftari die 2:0 Führung.

Wer hoffte, die Partie sei damit entschieden, sah sich getäuscht. Mit der Hereinnahme des Ex-Bundesliga-Profis Jens Scharping ging ein Ruck durch die Gastmannschaft, während unsere Nulldreier wohl dachten, sie könnten die Partie verwaltend nach Hause schaukeln. Prompt fiel mit einem Lüneburger Doppelschlag (74./77.) der Ausgleich. Der LSK bekam die zweite Luft und war dem Siegtreffer in der Schlussphase deutlich näher. Doch ein Sonntagsschuss von Igor Lazic in der 88. Minute entschied die Partie doch noch zugunsten der Hausherren. Mit diesem Sieg schob sich der SVB auf Platz 4 vor.

Präsident Detlef Kaminski kritisierte die mangelhafte Einstellung nach der 2:0 Führung, war aber angesichts der Platzierung versöhnlich gestimmt. Den vierten Sieg im neunten Spiel hatten folgende Spieler eingefahren: Kunze; Laars; Petsch, Laaser; Miftari, Civa, Lorenz (60. Lazic), Gatti, Röver; dos Santos (60. Chalaskiewicz), Küntzel.

Die Mannschaften der Stunde, Uerdingen und Braunschweig, verkürzten mit ihren Siegen gegen Düsseldorf und Sachsen Leipzig den Abstand auf Tabellenführer Aue auf vier Punkte. Die Veilchen mussten zu Hause eine 0:4 Niederlage gegen Wattenscheid 09 einstecken. Für Nulldrei galt es, am 10. Spieltag beim 1. FC Union Berlin im ewig jungen Berlin-Brandenburg-Derby zu bestehen.

Und ewig lockt das Derby

Überraschend stark war unsere Regionalliga-Mannschaft in die Saison 2000/01 gestartet und hatte alle Experten auf dem falschen Fuß erwischt. Statt gegen den Abstieg zu spielen, waren nach neun Spieltagen vier Siege, vier Remis und nur eine Niederlage zu verzeichnen.

Deshalb reiste der Nulldrei-Tross mit großen Erwartungen am 10. Spieltag in die Alte Försterei nach Berlin-Köpenick. Dort hatte inzwischen der ehemalige Nulldrei-Keeper Oskar Kosche die Manager-Position inne. Nach der letzten 1:4 Niederlage im Heimspiel der Vorsaison musste Ex-Unioner Karsten Heine seinen Hut als Trainer des SVB nehmen. Und auch einige Spieler hatten bereits für beide Vereine die Töppen geschnürt. Union lag mit dem deutlich stärkeren Kader nur auf Rang 8 der Tabelle, Babelsberg war Vierter, Brisanz war also vorprogrammiert. Marco Küntzel, ebenfalls Ex-Unioner, hoffte vor der Partie, das Nulldrei nicht wie in der Vergangenheit zum Aufbau-Gegner der Köpenicker werden würde. Denn die Regionalliga-Bilanz gegen Union war düster. In sechs Spielen war Nulldrei kein Sieg gelungen, die Tordifferenz lag bei 1:13 Toren. Lediglich ein maues 0:0 zu Hause stand in der Bilanz.

Im ersten Spielabschnitt entwickelte sich eine Regionalliga-Partie auf äußerst dürftigem Niveau. Das zerfahrene Spiel mit wenigen gelungenen Kombinationen produzierte kaum Torchancen auf beiden Seiten. Für Nulldrei gab es drei Gelegenheiten durch Enrico Röver und Marco Küntzel. Union hatte derer zwei von Tschiedel und Isa zu verzeichnen. Treffer konnten jedoch beide Teams nicht erzielen.

Vielleicht wäre es auch nach dem Wechsel so weitergegangen, doch eine Unaufmerksamkeit nach einem Eckball nutzte Ex-Nulldreier Tom Persich zum 1:0 für die Hausherren. Von diesem Treffer wachgerüttelt zeigte Babelsberg jetzt die Qualitäten, die im bisherigen Saisonverlauf überzeugt hatten. Mit schnellen Kombinationen wurde nach vorn gespielt. Doch Rövers Chance vereitelte Koilow und dos Santos Schuss schlug Tschiedel von der Linie. Union verlegte sich aufs Kontern und war damit erfolgreich. Isa überlupfte Alex Kunze nach 70 Minuten und die Partie war gelaufen. Der späte Kunstschuss des gleichen Schützen von der Mittellinie über den verdutzten Kunze hinweg wurde nur dadurch entwertet, dass nahezu zeitgleich der Charlottenburger Alex „Fußpilz“ Alves eine Kopie des Union-Treffers gegen den 1. FC Köln erzielte.

Auf Babelsberger Seite herrschte nach Abpfiff große Enttäuschung. Björn Laars: „Das Spiel heute war Scheiße, mehr braucht man nicht zu sagen.“ Martino Gatti: „Wir haben es einfach nicht auf die Reihe bekommen, uns ordentliche Chancen zu erarbeiten.“ Co-Trainer Ingo Nachtigall: „Das tat weh, weil wir viel besser spielen können. Auch Union hat nicht stark gespielt, aber wir waren noch schwächer. Einige von uns haben sich fast in die Hosen gemacht.“

Die glatte 0:3 Niederlage quittierten vor 4.010 Zuschauern in der Alten Försterei: Kunze; Laars; Laaser, Petsch (46. dos Santos); Miftari, Gatti, Lorenz (75. Lazic), Civa, Chalaskiewicz; Küntzel (75. Efe), Röver.

Spitzenreiter nach dem 10. Spieltag blieb Erzgebirge Aue. Die Veilchen unterlagen allerdings Eintracht Braunschweig mit 1:4. Die Verfolger Uerdingen (0:3 gegen Werder 2) und Preußen Münster (1:4 gegen den LSK) ließen Federn, so dass die Spitzenteams enger zusammenrückten. Babelsberg rutschte hinter Union und Lübeck (1:0 vs. Düsseldorf) auf Platz 6 ab.

Nur drei Tage nach der Union-Pleite hatte der SVB Gelegenheit, die Partie im Landespokal zu verarbeiten. Mit 8:2 (Halbzeit 4:1) wurde der drei Klassen tiefer kickende SC Oberhavel Velten bezwungen. Für Babelsberg agierten in der Ofenstadt: Heinrichs; Laars; Laaser, Tomcic; Miftari, Gatti (51. Lorenz), Lazic, Civa (63. Grundmann), Röver; Küntzel (58. Efe), dos Santos.

Der nächste traditionsreiche Gegner

Wiederum drei Tage später stand die nächste Meisterschaftspartie auf der Agenda. Zu Gast im Karli war der Tabellenelfte Wattenscheid 09 mit Trainer Hannes Bongartz. Der Ex-Bundesligist hatte zuletzt kleinere Brötchen gebacken, aber dennoch einen guten Kader beisammen. Unter anderem spielten die noch jugendlichen Altintop-Brüder für Wattenscheid, ebenso der spätere Schalker Iyodo und Marius Ebbers (später Torjäger bei St. Pauli). Nicht von ungefähr hatte die SG bisher die zweitmeisten Treffer nach Uerdingen erzielt.

Babelsberg kam mit einer zum Union-Spiel nahezu identischen Aufstellung auf den heiligen Rasen im Karli. Lediglich Micha Lorenz musste für Igor Lazic weichen. Enrico Röver hatte sich ja bereits in den letzten Partien gegen Fernando dos Santos durchgesetzt und stürmte erneut von Beginn an neben Marco Küntzel. Der mit norddeutschem Temperament gesegnete Röver passte hervorragend in das technische versierte Kurzpass-Spiel, das Trainer Hermann Andreev nach und nach perfektioniert hatte und legte sogleich für Mentor Miftari auf. Nach vier Minuten gingen die hochmotivierten Nulldreier 1:0 in Führung. Hatte sich Rövte vorm 1:0 links durchgesetzt, flankte er in Minute 8 von rechts, Küntzel flog ein und köpfelte für die überlegenen Babelsberger zum bereits vorentscheidenden 2:0 ein. Wattenscheid konnte bei gelegentlichen Konterversuchen Kunze nicht überwinden und nach einigen ausgelassen Chancen (Lazic, Küntzel) war es Igor „gute Fußballer“ Lazic, der noch vor dem Pausentee nach langer Flanke von Küntzel am herauseilenden 09-Keeper vorbei aus 25 Metern einnetzte.

Auch nach dem Wechsel blieb das Bild das gleiche. Nulldrei kombinierte ein ums andere Mal die Wattenscheider Viererkette schwindlig, ließ aber zunächst weitere gute Gelegenheiten aus (Röver, Gatti, Küntzel, Chalaskiewicz). Erst der eingewechselte Micha Lorenz verwandelte eine Chalaskiewicz-Flanke mit anschließendem Küntzel-Kopfball per Volley-Schuss aus nächster Distanz zum 4:0 Endstand. Nulldrei-Trainer Hermann Andreev hatte allen Grund zum Strahlen: „Die Jungs wollten nach der letzten Niederlage beweisen, dass sie es besser können, und dies ist ihnen gelungen.“

Vor 1.792 Zuschauern im Karli spielten am 7. Oktober 2000 für Babelsberg: Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Miftari (61. Lorenz), Gatti, Lazic (82. dos Santos), Civa, Chalaskiewicz; Küntzel, Röver (73. Efe).

Erzgebirge Aue konnte erneut nicht gewinnen, unterlag bei Tennis Borussia mit 1:4. Verfolger Braunschweig unterlag in Köln bei der Fortuna mit 0:1 und konnte somit den Patzer der Sachsen nicht nutzen. Uerdingen siegte gegen Dortmund II 1:0 und behauptete damit Rang 3. Union Berlin und Preußen Münster trennten sich im Verfolger-Duell 1:1. Mit dem 4:0 Erfolg gegen Wattenscheid zogen unsere Nulldreier wieder an den Eisernen vorbei und belegten nunmehr Platz 5. Am 12. Spieltag stand für Babelsberg die Partie an der Hamburger Straße bei unserem heutigen Gegner Eintracht Braunschweig auf dem Programm. Die Begegnung Zweiter gegen Fünfter endete - das sei hier vorweg genommen - 0:0.

Enger Kampf in der Spitzengruppe

Die Spitzengruppe der Regionalliga 2000/2001 war nach elf Spieltagen eng zusammengerückt. Erzgebirge Aue, zunächst souveräner Tabellenführer, hatte zuletzt drei Mail in Folge verloren. Lübeck, Braunschweig, Uerdingen, Lübeck, unsere Babelsberger sowie Union Berlin waren nur durch drei Punkte Differenz getrennt. Die Nulldreier von Hermann Andreev hatten nach der 0:3 Niederlage gegen Union Berlin mit einem 4:0 vor heimischem Publikum gegen Wattenscheid zurück in die Erfolgsspur gefunden. Nun stand das Spitzenspiel zwischen der BTSV Eintracht und dem SVB auf dem Programm.

Im städtischen Stadion an der Hamburger Straße in Braunschweig, wo unsere Mannschaft erstmals zum Punktspiel antrat, erwartete Spieler und Fans erstmals eine zweitligataugliche Kulisse. Knapp 11.000 Zuschauer fanden sich ein. Braunschweig schonte sein größtes Talent Serge Branco, der wenige Tage zuvor in Sydney mit Kamerun Olympiasieger geworden war. Trainer Hermann Andreev schickte die Erfolgself der letzten Woche auf den Rasen und Nulldrei begann die Partie durchaus forsch. Nach sieben Minuten hatte Marco Küntzel die erste Chance auf dem Fuß, als er von Igor Lazic steil geschickt wurde, die Pille aber am Keeper und am Kasten vorbei schob. Es entwickelte sich eine offene Partie in der auch die Eintracht mit Spitzenkräften wie Tobias Rau (später bei Wolfsburg und Bayern sowie DFB-Auswahl-Spieler), dem Ex-Nulldreier Kais Manai und Torjäger Dirk Weetendorf zu Chancen kam. Doch zur Pause blieb es beim 0:0.

Im zweiten Abschnitt bemühte sich Braunschweig, angetrieben von der lautstarken Kulisse, noch stärker um Spielkontrolle und konnte eine optische Überlegenheit herausarbeiten. Doch die besseren Torchancen hatte Babelsberg. Aus einer starken Defensive heraus wurden blitzschnelle Konterkombinationen gefahren, die die Gastgeber mehrfach vor unlösbare Probleme stellten. Allein zwischen der 62. und der 67. Minute ergaben sich Riesenmöglichkeiten für den aufgerückten Björn Laars, Igor Lazic und Enno Röver, doch Keeper Zimmermann im BTSV-Tor war jeweils stark auf dem Posten. In ihrer stürmischen Schlussphase wollten die Gastgeber doch noch zum Heimsieg kommen, doch Torwächter Alex Kunze parierte gegen Tobias Raus 22-Meter-Knaller ebenso famos wie gegen den von Marco Laaser weitgehend abgemeldeten Weetendorf und hatte somit entscheidenden Anteil am Auswärtspunktgewinn. Babelsberg spielte am 14. Oktober 2000 mit folgender Mannschaft: Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Miftari, Gatti, Lazic (88. Lorenz), Civa, Chalaskiewicz; Küntzel (87. dos Santos), Röver.

Nach der vierten Pleite in Folge musste Aue die Tabellenführung an den VfB Lübeck abgeben. Die Veilchen unterlagen bei Sachsen Leipzig 0:3. Erkenbrechers Lübecker schlugen hingegen die zuletzt zwei Mal siegreichen Borussen aus Berlin mit 4:2. Braunschweig (Zweiter) und Babelsberg (Sechster) teilten sich wie oben beschrieben die Punkte. Beim 2:1 Erfolg von Union Berlin über Fortuna Düsseldorf sorgten Harun Isa und Ronny „No Goal“ Nikol (später u.a. CZ Jena) mit einem Doppelschlag für einen weiteren Dreier. Union war nun bereits Dritter. Uerdingen und Aue folgten auf vier und fünf. Hinter Babelsberg schoben sich Fortuna Köln und Preußen Münster dichter an die Tabellenspitze heran.

Grunewald-Derby am Babelsberger Park

Der dreizehnte Spieltag bescherte unserer Mannschaft ein Heimspiel gegen den alten Rivalen Tennis Borussia Berlin. Nach zweijähriger Zweitbundesliga-Präsenz hatte der DFB den „Lilanen“ die Lizenz verweigert; das Millionenspiel der Göttinger Gruppe war geplatzt. Unter dem Ex-Jugend-Trainer Trainer Mirko Slomka begann TeBe die Saison mit dem Ziel eines einstelligen Tabellenplatzes. Zuletzt hatte man den damaligen Tabellenführer Aue mit 4:1 bezwungen, allerdings auch eine 0:1 Heimpleite gegen Fortuna Köln hinnehmen müssen.

Trainer Hermann Andreev hatte keinen Grund zu wechseln und schickte die gleiche Startelf wie gegen Braunschweig auf den Platz. In Potsdam hatte sich herumgesprochen, welch starke Elf Babelsberg aufzubieten hatte – 2.390 Zuschauer wurden an den Stadionkassen gezählt. Es entwickelte sich eine spannende Partie, in der beide Mannschaften versuchten, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Überragender Mann auf dem Platz war Marco Küntzel, der von TeBe nie zu stellen war und den 1:0 Führungstreffer von Igor Lazic mustergültig vorbereitete. Sensationell laufstark überlupfte er die Berliner Abwehrreihe, erlief sich seinen eigenen Steilpass und passte quer auf die Nummer 10, Lazic musste nur noch die Kelle hinhalten. Angetrieben vom unermüdlichen Almedin Civa blieb Nulldrei zwar am Drücker, musste aber dennoch den Ausgleich hinnehmen, als der Borusse Jäckel einen 25-Meter-Freistoß unhaltbar für Kunze versenkte. Doch auch in dieser Partie entschärfte der Nulldrei-Keeper mehrere hochkarätige Chancen der Gäste, so als er in Halbzeit eins gegen den frei stehenden Tebe-Torjäger Fuß sensationell parieren konnte.

Auch im zweiten Abschnitt überzeugte Babelsberg und hatte durch Alme Civa zwei weitere Gelegenheiten. Slawomir Chalaskiewicz war mit zwei Pfostentreffern vom Pech verfolgt. Den entscheidenden Treffer markierte dann Enrico Röver, der hervorragend mit Küntzel harmonierte. Im Schlussakkord rettete erneut Alex Kunze mit zwei spektakulären Paraden den Heimsieg in einer Partie, die wohl auch 6:4 hätte enden können. Für Babelsberg spielten am 21.10.2000 Kunze; Laars (61. Lorenz); Laaser, Petsch; Miftari, Gatti, Lazic (61. dos Santos), Civa, Chalaskiewicz; Küntzel, Röver.

Nach Niederlagen der Spitzenteams Lübeck (2:3 vs. Wilhelmshaven), Braunschweig (0:1 in Münster) und Uerdingen (1:4 beim DSC) schob sich Union Berlin (1:0 vs. Bremen II) auf die Pole-Position. Babelsberg lag nun auf Rang 3 vor Köln, Braunschweig, Uerdingen und Aue. Selbst Wilhelmshaven auf Platz 10 hatte nur noch 5 Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze.

Zu Gast beim FC Sachsen

Beim Gegner des vierzehnten Spieltag, dem FC Sachsen Leipzig, hatte Babelsberg bislang wenig Zählbares holen können. Drei Regionalliga-Spiele endeten jeweils mit einer Niederlage. Doch in dieser Spielzeit war die Ausgangsposition eine andere. Der vom Filmrechtehändler Michael Kölmel großzügig geförderte Traditionsverein aus der Sachsen-Metropole war mit einem hochkarätigen Kader und dem Ziel Aufstieg in die Zweite Liga gestartet, hinter den Erwartungen aber herbe zurückgeblieben. Ursächlich waren hierfür vor allem die wechselhaften Leistungen und zahlreiche Disziplinlosigkeiten der Spieler. Bestes Beispiel war Kapitän Mike Lünsmann, der bei der Niederlage der letzten Runde gegen Fortuna Köln (0:2) zum zweiten Mal in dieser Saison vom Platz gestellt wurde. Die Sachsen belegten vor der Partie gegen Babelsberg Rang 15 mit elf Punkten aus 12 Spielen.

In der ersten Viertelstunde sahen die mitgereisten Babelsberger Fans eine verschlafene Babelsberger Elf, die wegen Stau erst eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn im Kunze-Sportpark eingetroffen war. Die Lethargie unserer Mannschaft wurde aber zunächst nicht bestraft, Sachsen Stürmer Filipovic verpasste mit einem Pfostentreffer nach nur zwei Minuten die Führung für die Gastgeber. Umso überraschender fiel die Führung für den SVB als eine Freistoßflanke von Slawomir Chalaskiewicz an Freund und Feind vorbeisegelte und hinter dem verdutzten Schlussmann Twardzik einschlug. Doch die Freude währte nur kurz. Schiemann traf für die Gäste mit strammem Schuss, als er eine lange Flanke sträflich freigelassen zum Ausgleich versenkte. Noch vor der Pause hätten die Gastgeber in Führung gehen können, doch Alex Kunze entschärfte einen 20-Meter-Knaller des Torschützen in Klassemanier.

Nach dem Wechsel übernahm Babelsberg gegen stark nachlassende Leipziger die Regie und hätte in Führung gehen müssen. Doch sowohl Küntzel als auch Martino Gatti vergaben hochkarätige Einschusschancen. Herman Andreev moserte nicht zu Unrecht: „Im Training macht Tino die mit geschlossenen Augen rein.“ Fast wäre die Nachlässigkeit des SVB noch bestraft worden. Doch Gott-sei-Dank knallte ein Freistoß Povisiers aus 25 Metern noch ans Kreuzeck des Babelsberger Tores. Den ersten Auswärtspunkt der Neuzeit beim FC Sachsen erspielten für Babelsberg vor 1.956 Zuschauern am 28.10.2000: Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Miftari, Gatti, Lazic (46. Lorenz), Civa, Chalaskiewicz; Küntzel, Röver.

Die Tabellenspitze holte sich der VfB Lübeck mit einem 1:0 Erfolg gegen den Dresdner SC zurück. Er profitierte dabei vom Doppelpunktverlust des 1. FCU gegen Dortmund II (1:1). Braunschweig hingegen beendete die Miniserie von drei Spielen ohne Sieg mit einem 2:1 Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf. Die zuletzt fünf Mal in Serie punktlosen Auer siegten dank eines Doppelpacks von Maik Kunze mit 2:1 gegen Fortuna Köln.

Nach dem sechsten Unentschieden im 14. Meisterschaftsspiel lag unser SVB nach dem Unentschieden in Leipzig auf Platz 4 hinter Lübeck, Union Berlin und Braunschweig. Nun kam der souveräne Tabellenführer der ersten elf Spieltage, Erzgebirge Aue, ins Karli. Doch bevor es im Ligabetrieb weiterging, war eine Pokal-Aufgabe zu lösen. Bei Eintracht Oranienburg wurde diese Obliegenheit pflichtgemäß gemeistert. Trainer Hermann Andreev gab wie gewohnt dem „zweiten Anzug“ die Chance zur Bewährung und wurde nicht enttäuscht. Mit 9:0 fertigte Nulldrei den Verbandsligisten ab. Jacek Ratajczak trug sich vier Mal in die Trefferliste ein, die weiteren Tore erzielten Fernando dos Santos (2), Micha Lorenz, Matthias Rudolph sowie Igor Lazic.

Babelsberger One-Touch-Football bezwingt Erzgebirge Aue

In der Meisterschaft stand Babelsberg vor einer schweren Aufgabe: Erzgebirge Aue hatte von den ersten acht Spielen sieben gewonnen, um dann zwischen dem neunten und zwölften Spieltag vier Mal am Stück zu verlieren. Die Spielpause während der 13. Runde - die Meisterschaft umfasste 19 Teams und jeweils eine Mannschaft pro Spieltag musste aussetzen - hatte den Veilchen aus dem Lösnitztal offensichtlich gut getan, denn am 14. Spieltag bezwangen die Sachsen Fortuna Köln.

Entsprechend engagiert begann Aue die Partie am Babelsberger Park und Nulldrei musste der robusten Spielweise der von Gerd Schädlich (heute Chemnitzer FC) trainierten Gäste Tribut zollen. Es war Alex Kunze geschuldet, dass es nach 45 Minuten nur 0:1 stand. Maik Kunze hatte nach 38 Minuten für Aue getroffen, aber sein Namensvetter im Nulldrei-Kasten vereitelte zwei weitere Großchancen.

Nach dem Wechsel übernahm dann aber doch Babelsberg die Initiative, was auch dem defensiveren Auftreten der Erzgebirgler zu danken war. Offensichtlich wollte Aue das Ergebnis über die Zeit bringen. Doch nach 59 Minuten und einigen vergebenen Chancen war es soweit. Alme Civa eroberte im Mittelfeld den Ball, passte schnell auf Igor Lazic, der direkt auf Marco Küntzel in den 16er weiterleitete - one touch Fußball made in Babelsberg. „Kü“ bediente den für den angeschlagenen Slawomir Chalaskiewicz eingewechselten Jacek Ratajczak und der aus Bochum gekommene Pole markierte den Ausgleich. Angetrieben vom durch die Tabellensituation und den attraktiven Fußball motivierten Publikum drängte Nulldrei auf den Führungstreffer, doch die dicht gestaffelte Gästereihen ließ sich nicht überwinden. Bis in der Schlussphase der Fußballgott ein Einsehen hatte. Ein Schuss von Enrico Röver nach 88 Minuten wurde so glücklich abgefälscht, dass Kischko im Gästekasten keine Chance hatte.

Auf einmal konnte es den Violetten aus dem Lösnitztal nicht schnell genug gehen und dramatische Schlussminuten brachen an. Insgesamt fünf Minuten lies der Schiri nachspielen und zeigte damit wenig Sinn für Gerechtigkeit. Denn schließlich war der SVB ja durch die permanente Zeit-Schinderei schon genug bestraft, nun wurde den Gästen auch noch großzügig Zeit eingeräumt ihr selbstverschuldetes Versäumnis nachzuholen. Doch auch zwei Eckstöße und einen Freistoß konnte Aue nicht mehr nutzen und unter lautem Jubel verließen die Babelsberger Spieler den Rasen. Lautstark brandeten Hermann-Sprechchöre auf, denn so langsam begriff das Publikum im Karli, dass sich hier eine Spitzenmannschaft entwickelte, die immer deutlicher erkennbar die Handschrift des sympathischen Russen trug.

Am 4.11.2000 hatten für Babelsberg vor 2.400 Zuschauern folgende Kicker die Töppen geschnürt: Kunze; Laars; Petsch (14. Tomcic), Laaser; Miftari (46. Lorenz), Civa, Gatti, Chalaskiewicz (35. Ratajczak), Lazic; Küntzel, Röver.

Vorn zeigte sich Lübeck souverän. Die Grün-Weißen - mit dem späteren Braunschweiger Spielmacher Dennis Kruppke im Aufgebot - siegten in Essen trotz zweier Platzverweise mit 5:2. Dafür büßten die weiteren Verfolger Punkte ein (WHV vs. Union 2:2, Bremen II vs. BTSV 1:1 und Münster vs. Leipzig 2:2) und für Babelsberg ging es rauf auf Platz 2.

Karneval in Köln

Am 16. Spieltag war Babelsberg erneut im Westen der Republik zu Gast. Ursprünglich für den 11.11. angesetzt, dann aber auf Freitag-Abend verlegt, stand das Gastspiel bei Fortuna Köln auf dem Programm. Angesichts der freitäglichen Spielansetzung, des närrischen Sonnabends und der Sonntags-Bundesliga-Partie zwischen dem 1. FC Köln und dem HSV bot sich ein verlängertes Wochenende geradezu perfekt an. So machten sich denn zahlreiche Babelsberger Schlachtenbummler auf den Weg, um pünktlich zum Anpfiff um 19.30 Uhr im traditionsreichen Kölner Südstadion zu erscheinen.

Was die 800 Zuschauer dann geboten bekamen, war eine Vorführung der spielerischen Stärke der Andreev-Elf. Nach verhaltenem Beginn nutzte Nulldrei die zweite Gelegenheit zum ersten Treffer. Alme Civa flankte einen Freistoß auf Igor Lazic, der per Kopf versenkte. Die Chance für Schuchardt im direkten Gegenzug - von Alex Kunze entschärft - blieb nahezu die einzige Kölner Möglichkeit im weiteren Spielverlauf der ersten Hälfte. Mit welcher Leichtigkeit Marco Küntzel nur zwei Minuten später am Kölner Rekord-Spieler Hansjörg Schneider vorbeizog, war beispielgebend. Küntzel markierte das 2:0. Danach kontrollierte Babelsberg die Partie nach Belieben, Fortuna kam immer zu spät. Der spätere Hansa Trainer Peter Vollmann beklagte zwar, seine Mannschaft hätte die taktische Linie nicht befolgt, doch der Eindruck des zugegebener Maßen blau-weiß bebrillten Betrachters war eher, dass es egal war, was die Gastgeber taten oder ließen. Wir waren einfach besser.

Auch der Umgang mit dem Kölner Anschlusstreffer nur kurz nach dem Seitenwechsel verdeutlichte die Dominanz des SVB. Micha Lorenz nutzte nur vier Minuten später einen vom Keeper Martin unterlaufenen Eckball wie selbstverständlich zum 3:1. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung bei Hermann Andreev, dem Team und den Fans nach Abpfiff. Babelsberg spielte am 10.11.2000 mit Kunze; Laars; Laaser (27. Miftari), Tomcic; Gatti, Lorenz, Lazic (46. dos Santos), Civa, Röver; Ratajczak (68. Grundmann), Küntzel.

Es folgten zwei feuchtfröhliche Tage, der 11.11. in der Kölner Altstadt und am Sonntag ein 4:2 Sieg der Geißböcke über die Rauten vor 40.000 Zuschauern im Müngersdorfer Stadion.

In der Regionalliga festigte unser SVB Rang 2. Zwischen Freitagabend und Sonntag lag die Andreev-Elf sogar auf dem Platz an Sonne. Lübeck kam am Sonntagnachmittag gegen Verl zwar über ein 0:0 Remis nicht hinaus, doch Dank um drei Tore besserer Differenz übernahmen die Nordlichter wieder die Führung. Hinter Babelsberg platzierten sich Union (2:0 Sieger gegen den DSC) und Braunschweig (3:1 vs. BVB II). Münster und Aue konnten keinen Boden gutmachen. Sie trennten sich 0:0. Den größten Sprung in der Tabelle machte Wattenscheid 09. Die Jungs aus dem Revier kletterten nach ihrem 3:2 Erfolg über Wilhelmshaven von 11 auf 7.

Schiefe Tabelle

Nach 16 Spieltagen in der Saison 2000/2001 lag unsere Elf sensationell auf Platz 2 der Regionalliga-Tabelle. Vom Tabellenführer VfB Lübeck trennte die Andreev-Elf lediglich das um drei Treffer schlechtere Torverhältnis. Allerdings vermittelte das Tableau eine leicht schiefe Perspektive, denn durch die ungerade Anzahl der teilnehmenden Mannschaften musste an jedem Spieltag ein Team aussetzen. Dies stand dem SVB am 17. Spieltag bevor. Die hinter dem SVB platzierten Vereine Union Berlin (3.), Braunschweig (4.) und Aue (6.) hatten ihre Zwangspause bereits hinter sich und konnten so am 17. Spieltag nach Punkten aufschließen.

Union Berlin nutzte diese Chance. Allerdings holten die „Eisernen“ bei Rot-Weiß Essen nur ein mageres Pünktchen (0:0). Ebenso spielte Spitzenreiter Lübeck Unentschieden. In der Grotenburg-Kampfbahn beim KFC Uerdingen gelang den Marzipanstädtern ein 2:2 Remis. Die Gastgeber glichen erst kurz vor Schluss aus. Da sich auch Eintracht Braunschweig im Spiel gegen Wilhelmshaven die Punkte teilte (1:1), hielten sich die Auswirkungen in der Tabelle insgesamt in engen Grenzen. Babelsberg war nun Dritter hinter Lübeck und Union.

Heimniederlage in Rot

Am 18. Spieltag erwartete unsere Mannschaft die Vertretung des SV Preußen Münster zum letzten Heimspiel der Hinrunde im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion. Der Traditionsverein aus dem Westen der Republik rangierte auf Platz 6 der Tabelle in Lauerstellung hinter dem Führungsquartett, hatte zuletzt aber eine Heimniederlage gegen den Tabellennachbarn Fortuna Köln hinnehmen müssen. In den Reihen der Preußen kickte seit Saisonbeginn der Ex-Babelsberger Verteidiger Stephan Schmidt.

Hermann Andreev musste die Erfolgself der letzten Wochen umstellen, da Toptorjäger Marco Küntzel (6 Treffer) mit einer schmerzhaften Bauchmuskelzerrung ausfiel. Der polnische Stürmer Jacek Ratajczak sollte an seiner Stelle in die Startelf rücken. Außerdem fiel auch Enrico Röver mit einer im Training erlittenen Knieverletzung aus, so dass das hervorragend harmonierende Sturmduo komplett ersetzt werden musste. Für Röver rückte der Brasilianer Fernando dos Santos in den Angriff. Vor der Partie hatte Präsident Detlef Kaminski das Saisonziel von „einstelliger Tabellenplatz“ auf Platz 7 angehoben. Die PNN berichtete über gestiegenes, deutschlandweites Interesse am SVB. So erkundigte sich die Redaktion der „Sport-Bild“ aus Hamburg über die „Stars“ des SVB. Ein durchaus zweifelhafter Ausweis gestiegener Aufmerksamkeit.

Vielleicht waren dies Anzeichen, die eine gewisse Selbstzufriedenheit auslösten. Jedenfalls war die Konzentration auf Spiel und Gegner an diesem Tag nicht ausreichend. Möglicherweise lag es aber auch an den personellen Umstellungen. Es folgte die schwächste Saisonleistung der blauen Helden, die zu allem Überfluss erstmals in dieser Spielzeit in roten Hemden im Karli aufliefen.

Bereits nach 14 Minuten gingen die Gäste in Führung, als der alternde Ex-Bundesliga-Star Marek Lesniak vorbereitete und Kruskopf zum 0:1 verwandelte. Das inzwischen bekannte Kurzpassspiel unserer Elf unterbanden die Münsteraner konsequent, so dass lediglich eine ernsthafte 03-Chance im ersten Abschnitt zu verzeichnen war. Alme Civas Schuss aus 25 Metern ging knapp rechts vorbei.

Auch nach dem Wechsel blieb Münster die bessere Elf und verlegte sich geschickt aufs Kontern. Als Zoran Tomcic den durchbrechenden Lesniak von den Beinen holte, war Nulldrei nach 69 Minuten nur noch zu zehnt. Nach dem die einzige SVB-Chance im zweiten Abschnitt - Mentor Miftaris Kopfball nach Marco Laasers Kopfball prallte vom Innenpfosten zurück ins Feld - verwirkt war, fiel es Münster nicht mehr schwer, den Sack zuzumachen. Innerhalb von sechs Minuten traf Münster drei Mal zum 0:4 Endstand. Den letzten Treffer besorgte Björn Laars per Eigentor, als er eine Flanke von rechts abwehren wollte, die Kugel aber am chancenlosen Alex Kunze vorbei in die Maschen versenkte.

Die erste Heimpleite der Saison quittierten vor 2.329 Zuschauern am 25.11.2000 für Babelsberg 03: Kunze; Laars; Laaser, Tomcic; Gatti, Lorenz, Lazic, Civa, Chalaskiewicz; Ratajczak (79. Rudolph), dos Santos (62. Miftari).

Union Berlin übernahm am vorletzten Spieltag der Hinrunde die Tabellenführung von den spielfreien Lübeckern. Die Köpenicker bezwangen Kellerkind Verl mit 3:0. Auch Braunschweig überrundete Lübeck durch ein 4:1 gegen den DSC. Der Sportinformationsdienst sid kommentierte die heftige SVB-Heimniederlage wie folgt: „Den Sprung an die Tabellenspitze verpasste der SV Babelsberg 03 durch eine überraschende Heimniederlage gegen Preußen Münster. Damit wurde die Erfolgsserie der Filmstädter, denen ohnehin auf Dauer kaum ein Spitzenplatz zugetraut werden darf, unsanft gestoppt.“ Eine kapitale Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte. Babelsberg lag mit drei Punkten Rückstand auf Union auf Rang 4. Dahinter folgten die aufgerückten Westteams aus Münster und von Fortuna Köln.

Am letzten Spieltag Hinrunde trat unsere Mannschaft beim Tabellensiebzehnten Fortuna Düsseldorf an. Die Fortunen waren meilenweit hinter den eigenen Ansprüchen zurückgeblieben und befanden sich mitten im Abstiegskampf. In Babelsberg hoffte man hingegen, dass die dritte Saisonniederlage gegen Münster ebenso wie die zuvor verlorenen Spiele gegen Union Berlin und den DSC keine nachhaltigen Wirkungen zeigen würde.

Rehabilitation in Düsseldorf und eine alte Jacke

Herman Andreev musste weiterhin auf Enrico Röver sowie Marco Küntzel verzichten. Für den rotgesperrten Zoran Tomcic rückte Marcus „Pepe“ Petsch in die Anfangsformation und Mentor Miftari begann statt Igor Lazic. Babelsberg zeigte bereits vom Anstoß weg, dass die Mannschaft sich für die 0:4 Klatsche gegen Münster rehabilitieren wollte. Fernando dos Santos stibitzte direkt nach dem Anstoß das Leder und marschierte Richtung Düsseldorfer Keeper. Zwar blieb zunächst ein Treffer verwehrt, doch die Nulldreier kontrollierten Spiel und Gegner. Nach 16 Minuten war es soweit. Diesmal verwandelte dos Santos einen direkten Freistoß aus 25 Metern zum 1:0. Nachdem Jacek Ratajczak eine Großchance nach Vorarbeit von Slawomir Chalaskiewicz ausgelassen hatte, kamen die Hausherren besser ins Spiel. Kurz vor der Pause nutzten sie eine Schlafeinlage der SVB-Verteidigung sowie des Torwächters Alex Kunze. Nach einer Ecke traf Zaimovic - im Fünfmeterraum mutterseelenallein gelassen - per Kopf zum Ausgleich.

Als nach dem Wechsel Alex Kunze erneut patzte - er unterlief eine lange Flanke - holte Jacek Ratajczak den einschussbereiten Zaimovic elfmeterreif von den Beinen. Die Partie schien zu kippen. Doch diesmal konzentrierte sich der „Mann aus den Bergen“ und fischte Poutilos Elfmeter aus dem Eck. Trocken kommentierte er hinterher: „Alte Jacke: rechtes Bein - rechte Ecke. Vorher hat er noch in die andere geschaut.“

Jetzt kehrte auch die Sicherheit und der Mut ins Babelsberger Offensivspiel zurück. Der gerade eingewechselte Igor Lazic nahm eine weite Flanke von rechts auf und vollendete mühelos zur 2:1 Führung. Einzig die schwache Chancenverwertung war bei Nulldrei zu bemängeln und so mochte Hermann Andreev nach Spielschluss keine großen Taten für die Rückrunde ankündigen: „Wie denken von Spiel zu Spiel, wollen geschlossen auf den Platz gehen und mit der Mannschaft ordentlich Fußball spielen. Und wenn das belohnt wird, ist das eine gute Sache.“

Die Babelsberger Fans im alten Düsseldorfer Rheinstadion waren natürlich mehr als zufrieden. Die 55 DM für die Busreise waren gut angelegt. Nulldrei hatte vor 3.000 Zuschauern mit folgender Aufstellung den neunten Saisonsieg eingefahren: Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Miftari, Gatti, Lorenz (65. Grundmann), Civa, Chalaskiewicz; Ratajczak (59. Lazic), dos Santos (76. Efe).

Zwischenbilanz zur Herbstmeisterschaft

Union Berlin verpasste die Herbstmeisterschaft durch ein 1:1 Unentschieden beim KFC Uerdingen. Den Platz an der Sonne sicherte sich vorerst die Eintracht Braunschweig. Die Blau-Gelben siegten bei Rot-Weiß Essen mit 3:1. Zweiter war nun Lübeck. Der VfB deklassierte Lüneburg mit 5:1. Auf Rand vier hinter Union folgten unsere Babelsberger mit 33 Punkten aus 18 Spielen. Fünfter war Fortuna Köln, Sechster Preußen Münster.

Mit dem 2:1 Auswärtserfolg bei Fortuna Düsseldorf hatten unsere Nulldreier die Hinrunde der Saison 2000/01 auf Platz vier abgeschlossen und zählten damit zu den positiven Überraschungen der Liga (9 Siege, 6 Remis, 3 Niederlagen). Erfolgreichste Goalgetter waren Marco Küntzel und Igor Lazic mit je sechs Treffern. Im Durchschnitt hatten 2.069 Zuschauer die Babelsberger Heimspiele verfolgt (Gesamtschnitt der Liga 3.296).

Start der Rückrunde auf Platz 11

Zum ersten Rückrundenspiel reiste unsere Mannschaft noch im alten Jahr nach Bremen. Nulldrei hatte die Reserve des Bundesligisten zum Saisonauftakt durch einen Treffer von Björn Laars 1:0 bezwungen. Die Bremer – u.a. mit dem heutigen Leverkusener Nationalspieler Simon Rolfes – begannen auf Platz 11 des Vereinsgeländes am Weserstadion mit einem kaum erwarteten Powerplay. Nach einer Viertelstunde hätte es bereits 3:0 stehen können. Doch den einzigen Bremer Treffer konnte Martino Gatti etwas überraschend nach Solo egalisieren. Dass es nur mit einem 1:2 in die Halbzeitpause ging, hatte der SVB Keeper Alex Kunze zu verdanken.

Nach dem Wechsel, Hermann Andreev hatte Zoran Tomcic und Enrico Röver eingewechselt, lief es besser. Den erneuten Ausgleich durch Gattis zweiten Treffer konnte Bremen zwar noch einmal kontern, doch als Alme Civa per Foulelfmeter zum 3:3 Ausgleich und wenig später die 4:3 Führung erzielte – sein einziger Doppelpack für Babelsberg, schien alles auf einen weiteren Dreier für Babelsberg hinauszulaufen. In der Schlussminute gelang den Bremern jedoch noch der Treffer zum 4:4 Remis. Der Kicker notierte: „Ein Hitchcock-Thriller kann nur unwesentlich spannender sein: Alles in allem leistungsgerecht 4:4 trennten sich beide Teams in einem Klasse-Spiel mit vielen Torszenen. [Die Bremer] scheiterten jeweils am besten Babelsberger, Torhüter Alexander Kunze.“ Für Babelsberg spielten am 9.12.2000 vor 400 Zuschauern: Kunze; Laars; Petsch, Lorenz; Laaser, Gatti, Lazic, Civa, Chalaskiewicz; Ratajczak (46. Tomcic), dos Santos (46. Röver).

Braunschweig gab nach Remis gegen Verl die Poleposition ab. Den Doppelpunktverlust Babelsbergs nutzte Zweitliga-Absteiger Fortuna Köln, der Schlusslicht Dortmund II bezwang und nach Punkten zum Dritten Union Berlin aufschloss. Die Berliner verloren gegen den neuen Tabellenführer Lübeck auswärts 0:1 und musste die zweite Niederlage am Stück quittieren.

Als Sechster ins neue Jahr

Bevor es in die kurze, aber verdiente Weihnachtspause ging, startete Babelsberg beim Super-Regio-Cup in Riesa. Im Halbfinale scheiterten die Blauen knapp am „Lieblingsgegner“ DSC. Das Spiel um Platz drei ging gegen RW Erfurt im Neunmeterschießen verloren. Hermann Andreev trauerte lediglich der Siegprämie nach, denn sie sollte zur Finanzierung des Trainingslagers beitragen.

Während Babelsberg sich in der Halle tummelte holte sich Braunschweig mit einem 5:0 Kantersieg im heimischen Stadion an der Hamburger Straße vor über 10.000 Zuschauern gegen Uerdingen die Tabellenspitze zurück, da Lübeck wie Babelsberg pausierte. Der SC Preußen Münster schob sich durch ein 2:1 gegen Bremen II an Nulldrei vorbei. Als Tabellensechster ging Babelsberg ins neue Jahr.

Nach vierzehn Tagen Weihnachtsurlaub versammelten sich unsere Kicker am 03. Januar 2001 im Karli. Mit dem üblichen Wiegen begann die vierwöchige Vorbereitung auf die Rückrunde. Mit Mohammed Hoxha, Arthur Nabialek, Jan Ivan und Elias Pflaumbaum sowie dem halbjährig ausgefallenen Heiko März vergrößerte sich die Trainingsgruppe. Im ersten Freilufttest gelang ein 5:2 Erfolg gegen den BSC Süd, für den ein gewisser Patrick Moritz beide Treffer markierte. Vor dem Trainingslager im türkischen Belek folgte ein 1:1 Unentschieden gegen den VfL Halle.

Bei 15 Grad Celsius Außentemperatur boten sich Hermann Andreevs Mannschaft sehr gute Trainingsbedingungen in der Türkei. Einer 1:3 Niederlage (03 Tor: Chalaskiewicz) gegen den türkischen Erstliga-Letzten Siirt folgte ein 1:1 (Miftari) gegen den ukrainischen Erstliga-Vertreter CSK Kiew und ein 2:2 gegen das ebenfalls erstklassige Metallurg Saporoshje. Pit Grundmann und Mentor Miftari trafen jeweils nach Flanke von Slawo Chalaskiewicz. Im letzten Test gegen den deutschen Zweitligisten Greuther Fürth gelang sogar ein 1:0 Sieg. Martino Gatti hatte nach Vorlage von Björn Laars getroffen. Insgesamt war Trainer Hermann Andreev mit dem Trainingslager hochzufrieden.

Die Probespieler Arthur Nabialek und Jan Ivan erhielten für die Rückrunde einen Vertrag bis Saisonende, dafür wollte sich der SVB von Fernando dos Santos trennen. Mit der Rückkehr von Heiko März hatte das Trainerteam mehr Variationsmöglichkeiten, da die Hinrunden-Entdeckung auf dieser Position – Björn Laars – durchaus vielseitig verwendbar war. Spekulationen um mögliche Zweitliga-Ambitionen nahmen Hermann Andreev und Co-Trainer Ingo Nachtigall gelassen auf und verwiesen mit Recht auf die bisher über den Erwartungen liegende Platzierung, die alle Möglichkeiten nach oben und unten offen ließ.

Zum Auftakt ein Denkzettel gegen Schlusslicht Dortmund

Zum ersten Spiel des neuen Jahres erwarteten Mannschaft, Trainer und Fans mit Spannung den Tabellenletzten, die Reserve der Dortmunder Borussia. Mit einiger Sorge erinnerten sich Kenner der Babelsberger Fußballgeschichte im Vorfeld der Partie an einige misslungene Auftritte unserer Helden gegen Tabellenschlusslichter, beispielsweise an die blamable 0:1 Heimniederlage gegen SD Croatia in der Regionalliga-Spielzeit 1998/99.

Hermann Andreev entschied sich für Heiko März als Libero und befahl Björn Laars ins Mittelfeld. Dies ließ sich zunächst gut an, war es doch der Ex-Rostocker der bereits nach vier Minuten zur 1:0 Führung traf. Wenig später hätte Martino Gatti nachlegen können, doch sein Volleyschuss ging knapp am BVB-Kasten vorbei. Besser machte es Dortmunds Kringe, der die erste Chance nach zwanzig Minuten zum Ausgleich nutzte.

Als wäre der Gästetreffer nicht genug des Übels, sah Igor Lazic nach einer Tätlichkeit den roten Karton. Die Dortmunder hatten eine harte Gangart an den Tag gelegt, doch der Ellenbogencheck des Ex-Leipziger war unnötig wie ein Kropf. Dennoch blieb Nulldrei zunächst am Drücker. Enrico Röver hatte mehrfach die erneute Führung auf dem Fuß, zielte aber zu genau oder scheiterte an BVB-Schlussmann Kleinsteiber. Zu allem Überfluss fand auch ein Eigentor Dortmunds wegen vermeintlicher Abseitsposition Enrico Rövers keine Anerkennung. Nach dem Wechsel kam es dann noch dicker. Als Kringe aus stark abseitsverdächtiger Position zum 2:1 traf, protestierte der bereits verwarnte Heiko März so heftig, dass Schiri Hennecke den Libero zum Duschen schickte. Trotz unbändigem Kampf gelang mit acht Feldspielern die Wende nicht mehr. Erneut Röver hatte zwar den Ausgleich noch einmal auf dem Kopf, doch Krontriris band mit dem dritten Dortmunder Treffer den Sack zu.

Präses Kaminski bemängelte zu Recht die Undiszipliniertheiten unserer Spieler und forderte interne Gespräche. Lediglich Dirk Heinrichs konnte dem Spiel in einem Anflug von Galgenhumor Positives abgewinnen. Der Kassenwart vermeldete Rekordeinnahme, denn neben den roten Karten gab es zwei weitere Verwarnungen gegen Mentor Miftari und Alex Kunze. Bei der zweiten Heimniederlage der Saison blamierten sich vor 2.069 Zuschauern: Kunze; März; Laaser, Tomcic; Miftari, Gatti, Laars, Civa, Chalaskiewicz; Lazic, Röver.

Mit einer hässlichen Niederlage und zwei Platzverweisen war Babelsberg ins Fußballjahr 2001 gestartet. In der Partie gegen das Tabellenschlusslicht Dortmund setzte sich die schwarze Serie gegen Träger der roten Laterne fort. Bereits in vorangegangenen Regionalliga-Spielzeiten unterlag Nulldrei beispielsweise Zwickau und Croatia Berlin, welche jeweils das Tabellenende zierten.

Nicht nur auf dem Platz hatte der SVB mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Auch die beiden zur Halbserie an den Babelsberger Park gewechselten Fußballer bereiteten Sorgen. Es handelte sich allerdings nicht um sportliche Probleme, sondern um administrative. Für den Slowaken Jan Iwan verlangte sein Ex-Verein FC Stiege plötzlich eine Ablöse und Arthur Nabialek bekam keine Freigabe des polnischen Verbandes. Präsident Kaminski schickte Iwan daraufhin nach Hause und Nabialek musste weiter warten.

Ein Punkt an der Nordsee

Am Jadebusen wollte die Truppe von Hermann Andreev die Schlappe gegen Dortmund vergessen machen. Verzichten musste der SVB auf die gesperrten Heiko März und Igor Lazic. Dafür konnte Marco Küntzel zumindest auf der Bank Platz nehmen. Der Goalgetter hatte sich im Herbst einer Leisten-OP unterziehen müssen und war nach längerer Pause wieder einsatzfähig. Der gastgebende SV Wilhelmshaven hatte zu Saisonbeginn erhebliche wirtschaftliche Probleme und lange wurde befürchtet, dass der Verein in den Konkurs gehen müsste. Doch sowohl sportlich als auch wirtschaftlich stabilisierte sich der SVW und konnte gegen die „Großen“ der Liga an guten Tagen durchaus bestehen.

Nachdem sich unsere Mannschaft im Kurort Bad Zwischenahn auf die Partie vorbereitet hatte, trat sie Freitagabend unter Flutlicht im Jadestadion an. Bei leichtem Frost hatten sich 1.350 Zuschauer eingefunden und die Gastgeber begannen offensiv, so dass Torwächter Alex Kunze mehrfach eingreifen musste. Doch mit zunehmender Spieldauer bekam Nulldrei die Partie in den Griff und zog das schnelle Kurzpass-Spiel auf, das bereits für einige Furore gesorgt hatte. Insbesondere wenn sich der auf die Libero-Position zurückgekehrte Björn Laars in die Offensive einschaltete, wurde es gefährlich. Im Mittelfeld zogen Alme Civa und Martino Gatti die Fäden und vorn waren Cem Efe und Enno Röver permanente Gefahrenherde. Die größte Chance der ersten Hälfte vergab Civa, als er sich hervorragend frei gespielt allein vor Keeper Ogrinc das Leder noch vom Fuß spitzeln ließ.

Während im ersten Abschnitt der Ex-HSV-Profi Valdas Ivanauskas Pit Grundmann einige Probleme bereitet hatte, nahm „Pepe“ Petsch den Litauer im zweiten Abschnitt an die Kette. Als Hermann Andreev nach 57 Minuten Marco Küntzel ins Spiel brachte, schien sich die Partie endgültig zu Gunsten der Gäste zu wenden. Mehrfach brannte es lichterloh im Strafraum der Gastgeber. Doch Keeper Ogrinc machte ein ums andere Mal Chancen Nulldreis zu Nichte. So als er Gattis Distanzschuss entschärfte und Küntzels Schlenzer mit Bravour zur Ecke lenkte. Als in der Schlussminute Röver den Ball an Ogrinc vorbei brachte, schien Babelsberg doch noch drei Punkte mitnehmen zu können. Doch Verteidiger Fischer kratzte die Kugel für seinen hervorragend haltenden Schlussmann von der Linie.

So blieb es letztlich beim 0:0, mit dem die Nulldreier nur bedingt zufrieden sein konnten. Immerhin stand nach zuletzt sieben Gegentoren in zwei Spielen mal wieder die Null. Nulldrei agierte mit Kunze; Laars; Tomcic (46. Petsch), Laaser; Miftari, Gatti, Grundmann (48. Lorenz), Civa, Chalaskiewicz, Efe (57. Küntzel), Röver.

Sechs Partien des 22. Spieltags waren dem Wetter zum Opfer gefallen und so zeigte die durch die ungerade Anzahl der Mannschaften ohnehin schiefe Tabelle ein verzerrtes Bild. An der Tabellenspitze verteidigte Braunschweig seine Führung in Lübeck. Beim 1:1 vor 12.000 Zuschauern an der Lohmühle gingen die Gäste aus der Löwenstadt durch Eigner in Führung. Weetendorf hatte die Entscheidung schon auf dem Fuß, scheiterte aber am späteren Nürnberger Bundesliga-Keeper Schäfer. In der 83. Minute markierte der spätere Freiburger und Braunschweiger Bundesliga-Spieler Dennis Kruppke den Ausgleich für Lübeck. In einer weiteren Partie schlug Essen den anfänglichen Tabellenführer Aue im Georg-Melches Stadion mit 2:0. Aue verabschiedete sich damit endgültig aus dem Vorderfeld der Tabelle.

Revanche gegen den Dresdner Sportclub

Obwohl Babelsberg in Wilhelmshaven wohl zwei Punkteverschenkt hatte, schob sich unsere Equipe durch die Spielausfälle um zwei Plätze auf Rang vier vor. Nun erwartete der SVB im heimischen Karli den Dresdner SC. In den Reihen der Gäste agierte der Torschützenkönig der vergangenen Spielzeit und Ex-Babelsberger Publikumsliebling Hendryk Lau. Die Gäste, die den Lokalmatador Dynamo in Sachsens Kapitale zwischenzeitlich als Nummer 1 abgelöst hatten, waren einer der unbequemsten Nulldrei-Gegner der letzten Jahre. Nur ein Sieg aus dem Jahr 1998 stand bisher in der Statistik gegen den DSC. Im Hinspiel unterlag der SVB 3:0, wobei sich Henne Lau nach 117 Tagen Verletzungspause mit dem dritten DSC-Treffer zurückmeldete.

Hermann Andreev musste auf Igor Lazic verzichten, der nach seiner roten Karte gegen Dortmund drei Spiele Sperre absitzen musste. Auch Heiko März fehlte weiterhin, so dass erneut Björn Laars die Libero-Position übernahm. Von Anbeginn bestimmten die Gäste das Geschehen und keine Spur war von dem Babelsberger Vorhaben zu sehen, den ersten Heimsieg seit November 2000 einzufahren.

Die lauf- und kombinationsfreudigen Gäste setzten der Babelsberger Hintermannschaft gehörig zu und verengten in der Abwehr geschickt die Räume, so dass von Babelsberger Offensivaktionen kaum einmal Gefahr ausging. Als nach einer Viertelstunde Hendryk Lau von Schmidt mustergültig bedient wurde, ließ er sich die Chance nicht nehmen und netzte zum 0:1 ein. Von Nulldrei war auch nach der Gästeführung nichts zu sehen und es war Schlussmann Alex Kunze zu verdanken, dass der SVB zur Halbzeit nicht schon höher zurücklag.

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich zunächst dass gleiche Bild. Erneut musste Kunze gegen den zweimal völlig frei vor ihm auftauchenden Milde glänzend parieren. Doch im zweiten Abschnitt zeigte sich, wie wichtig Marco Küntzel inzwischen für den SVB war. Der nach der Pause in die Partie gekommene Stürmer hatte bereits in Wilhelmshaven für viel Betrieb gesorgt und war auch nun kaum zu bremsen. Als Martino Gatti aus 20 Metern abzog konnte Dresdens Schlussmann nur klatschen lassen und „Kü“ war zur Stelle: 1:1. „Marco Küntzel Fußballgott“ schallte es von den Traversen. Jetzt war unsere Elf wach und übernahm das Ruder. Zunächst scheiterte Slawo Chalaskiewicz, als er zu lässig abschloss. Doch wenig später machte es der linke Außenstürmer besser. Martino Gatti schickte Micha Lorenz mit genialem Pass auf der Reise, die flache Eingabe versenkte Chalaskiewicz am kurzen Pfosten zur 2:1 Führung.

In der spannenden Schlussphase hätte Babelsberg durch Enno Röver oder Björn Laars noch erhöhen können, allerdings hatte auch der DSC noch zwei herausragende Möglichkeiten. Mildes Gewaltschuss klärte Kunze und Schmidts Versuch aus der Distanz knallte vom Pfosten zurück ins Feld. Letztlich verdienten sich folgende Akteure durch eine enorme Leistungssteigerung den Sieg vor 1.909 Zuschauern: Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Miftari (46. Nabialek),Gatti, Civa, Grundmann (31. Lorenz), Chalaskiewicz; Efe(46. Küntzel), Röver.

Als der Schiri die Partie abpfiff, lagen sich jubelnde Nulldreier auf den Rängen wie auf dem Platz in den Armen. Die starke zweite Hälfte machte Hoffnung, als Außenseiter weiter im Konzert der Favoriten an der Tabellenspitze mitmischen zu können. Von Henne Lau, später Trainer der A-Jugend beim SVB und heute bei Babelsberg 74 sportlicher Leiter, war nach Spielschluss nichts mehr zu sehen. Der später zu Nulldrei zurückkehrende Stürmer hatte an diesem Tag viele Sympathien verspielt, als er nach seinem Führungstor gegen den Ex-Verein wie schon im Hinspiel extrovertiert jubelte und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin wieder hier in meinem Revier“ präsentierte.

Eintracht Braunschweig musste beim Kampf um die Tabellenspitze Federn lassen. Vor 10.000 Zuschauern gelang gegen Kellerkind Lüneburger SK nur ein 1:1. Lübeck konnte durch einen 3:0 Auswärtssieg bei TeBe nach Punkten aufschließen. Hinter dem Spitzenduo machten Fortuna Köln und Babelsberg die Pace, während sich Union Berlin beim 2:2 in Wattenscheid mit nur einem Zähler zufrieden geben musste. Angesichts des überaus spannenden Meisterschaftsrennens bemerkte Marco Küntzel im PNN-Interview: „Diese Liga ist doch verrückt. Jeder kann jeden schlagen. Wenn wir so spielen, wie wir es können und in der Hinrunde zeigten, dann können wir jede Mannschaft besiegen.“

Gala-Vorstellung in Essen

Mit dem hart erkämpften 2:1 Sieg vor eigenem Publikum gegen den Dresdner SC am 23. Spieltag der Regionalliga-Spielzeit 2000/2001 war der SVB in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Mit dem Comeback des genesenen Marco Küntzel hatte unsere Nulldreier wieder mehr offensive Durchschlagskraft. Den Schwung wollte unsere Elf auch bei der folgenden Partie gegen den westdeutschen Traditionsverein Rot-Weiß Essen beibehalten.

Essen hatte vor der Saison mit dem Aufstieg in die Zweite Liga geliebäugelt, konnte die ordentliche Heimbilanz aber vor allem in den Auswärtsspielen nicht bestätigen. Der SVB hingegen war auf des Gegners Platz seit sechs Spielen ungeschlagen. Trainer Hermann Andreev musste in Essen auf die Verletzten Heiko März und Slawomir Chalaskiewicz sowie Rot-Sünder Igor Lazic verzichten.

Die 35 Nulldreier im Gästeblock hinter dem Tor hatten es sich gerade gemütlich gemacht, als es im Strafraum der Blauen gefährlich wurde. Essens Raschke hatte Björn Laars bereits zwei Minuten nach Anpfiff verladen, aber am Tor vorbei gezielt. Und nur wenige Augenblicke später war es erneut Raschke, der diesmal von Laars per Foul gebremst wurde. Der Schiri deutete mit Recht auf den Strafstoßpunkt. Doch Essens Karp vergab die Möglichkeit und wer weiß wie die Partie gelaufen wäre, hätte er getroffen…. Von nun an kannte die Partie aber nur noch eine Richtung: zum Tor der Gastgeber. Mit schnellen Kombinationen und sicherem Passspiel wurde die Essener Hintermannschaft regelrecht auseinander genommen. Immer wieder gesucht und gefunden: Marco Küntzel. Der wendige Stürmer war an nahezu jeder gefährlichen Aktion beteiligt und filetierte mehrfach die Verteidigung der Rot-Weißen. Als Alme Civa per Steilpass „Kü“ auf die Reise schickte, war dieser nicht zu bremsen. Seine butterweiche Hereingabe von der Grundlinie verwertete der zunehmend stärker werdende Cem Efe zum umjubelten 0:1. Während Babelsberg gefährlich kombinierte, blieben Essener Offensivbemühungen bereits in Ansätzen stecken, so dass die 5.000 Zuschauer zunehmend unruhig wurden und ihre Mannschaft mit Pfiffen in die Kabine verabschiedeten.

Die Hoffnung der Gastgeber auf eine Veränderung im zweiten Abschnitt wurde bitter enttäuscht. Nulldrei ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Die Ruhrgebiets-FuWo „Reviersport“ schrieb: „Babelsberg „zockte“ unbeeindruckt - RWE stolperte vor sich hin“. In der sechzigsten Minute ließ „Kü“ persönlich zwei Essener Verteidiger wie Statisten aussehen und vollendete nahezu mühelos zum 2:0. Selbst als Mentor Miftari nach vermeintlicher Tätlichkeit der roten Karton sah, änderte sich nichts mehr am Spielverlauf. Babelsberg beherrschte Essen auch mit zehn Mann nach Belieben. Während RWEs bester Mann, Keeper Müller, hielt was zu halten war, hatte er nach Küntzels Traumpass auf Enno Röver drei Minuten vor dem Ende keine Abwehrmöglichkeit. Rövte markierte den 3:0 Endstand.

Zurück blieben tief verstörte Essener, die sich im falschen Film wähnten. Wie konnte diese unbekannte Mannschaft mit diesen unbekannten Spielern ein solches Kurzpass-Spiel inszenieren? Am besten brachte es Essens Markus Kaya auf den Punkt: „Das Spiel lief ganz klar an uns vorbei. Babelsberg hat den besten Fußball der ganzen Klasse gespielt. … Die Nulldreier haben im ganzen Spiel vielleicht einen langen Ball verzeichnet. Mich wundert es, dass die nur auf dem vierten Patz stehen. … Das Schlimme an der Geschichte ist, die Gäste mussten sich noch nicht einmal anstrengen. Sie haben ihren Stiefel runtergespielt und locker drei Tore geschossen.“

Kaya kreuzte später nochmal die Klingen mit dem SVB. Am 18. Mai 2008 erzielte er mit einem 50-Meter-Schuss im Karli das vorentscheidenden 0:2 (Endstand 1:4) für Rot-Weiß Oberhausen. Der Treffer am 36. Spieltag der Dritten festigte RWO den zweiten Platz, stieg zwei Wochen später hinter Rot-Weiss Ahlen in die Zweite Bundesliga auf und schaffte so den Durchmarsch von der vierten in die zweite Liga.

Doch diese Geschichte war damals noch ferne Zukunft: Wer im Februar 2001 im Georg-Melches-Stadion nicht dabei war, hatte eines der schönsten Spiele verpasst. Diese Mannschaft schenkte uns am 17.02.2001 einen grandiosen Sieg: Kunze; Laars, Laaser, Petsch; Miftari, Gatti, Lorenz (43. Grundmann), Civa, Röver, Küntzel (90. Nabialek), Efe (72. Tomcic).

An der Tabellenspitze musste sich Union Berlin mit einem Unentschieden gegen Braunschweig zufrieden geben, während Lübeck die Tabellenspitze durch einen klaren 4:0 Heimsieg gegen Sachsen Leipzig zurückeroberte. Babelsberg lag hinter Fortuna Köln auf Rang 4.

Am folgenden Spieltag sollte Babelsberg im Karli gegen den SC Verl antreten. Doch wegen Unbespielbarkeit des Platzes musste die Partie abgesagt werden. Dafür gab Präsident Detlef Kaminski bekannt, dass der SVB die Lizenzunterlagen sowohl für die zweite als auch für die dritte Liga beim DFB eingereicht hatte.

Wiedersehen in der Grotenburg

Zur 26. Runde stand also erneut ein Auswärtsspiel auf dem Programm. Unsere Elf sollte beim ehemaligen DFB-Pokal-Sieger und Europapokalteilnehmer KFC Uerdingen antreten. Unter dem Flutlicht der Grotenburg-Kampfbahn sollte die gute Auswärtsbilanz weiter ausgebaut werden. Aus dem Kader der Nulldreier hatten Micha Lorenz und Alme Civa die Kick-Schuhe für den KFC in der 2. Bundesliga geschnürt, bevor sie an den Babelsberger Park wechselten. Herman Andreev musste weiterhin auf Heiko März verzichten. Mentor Miftari war nach seiner roten Karte gegen Essen für vier Spiele gesperrt worden. Dafür waren Slawomir Chalaskiewicz und Micha Lorenz, der sich gegen Essen die Nase angebrochen hatte, wieder einsatzbereit.

Unsere Elf übernahm mit Beginn des Spiels die Initiative und eine Wiederholung des Essener Erfolgs schien nicht ausgeschlossen. Marco Küntzel legte nach zwei Minuten auf Cem Efe ab. Doch letzterer vergab frei vor dem Tor fahrlässig. Als auch Martino Gatti zwei Großchancen ausließ, machte sich bei den in froher Erwartung mitgereisten Nulldrei-Fans Sorge breit. Denn zu der schlechten Chancenverwertung gesellte sich insbesondere auf der linken Abwehrseite des SVB eine selten gekannte Freizügigkeit, die Uerdingens Schmugge dankend annahm. Seine Vorbereitung nutzte Dosenko zum letztlich einzigen und entscheidenden Treffer der Partie.

Auch im zweiten Abschnitt gelang unserer Equipe keine Verbesserung bei der Chancenauswertung. Insbesondere Enno Röver ärgerte sich, als er frei vor dem Tor ein Luftloch statt des Balles traf. „Jetzt müssen wir noch sechs Stunden Bus fahren ohne einen einzigen Punkt im Gepäck.“ kommentierte Rövte sein Missgeschick. Und Trainer Hermann Andreev, vom KFC Pressesprecher kurzerhand in Andreas Gehrmann umgetauft, meinte: „Es war ein großer Fehler, mit Bus und Übernachtung anzureisen, statt wie nach Essen mit dem ICE hierher zu fahren. Der Grund liegt aber nicht bei der Deutschen Bahn.“

Vor 2.229 Zuschauern absolvierte folgende Elf am 2. März 2001 die Partie gegen Uerdingen 05: Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Chalaskiewicz, Gatti, Lorenz (74. Nabialek), Civa, Röver, Küntzel, Efe (54. Lazic).

Fortuna Köln blieb die Mannschaft der Stunde. Die Fortunen bezwangen Spitzenreiter Lübeck auswärts mit 2:0. Auch Münster und Union Berlin gewannen, so dass die Spitze weiter eng zusammenblieb.

Spitzenspiel im Karli

Es war Anfang März 2001, als unsere Mannschaft auf Platz 5 der zweigleisigen Regionalliga Nordliegend, in das Schlussviertel der Saison ging. Nach der 0:1 Auswärtsniederlage in Uerdingen beim KFC kam nun der Spitzenreiter an den Babelsberger Park. Nulldrei erwartete den VfB Lübeck zum Punktekampf im Karli. Während der Babelsberger Hinspiel-Sieg im Stadion an der Lohmühle noch als Ausreißer galt, hatten sich nunmehr alle Mannschaften der Liga auf Babelsberg eingestellt. Die Qualitäten, die im Kader von Trainer Hermann Andreev steckten, warenweitgehend bekannt. Dennoch reisten die Zweitliga-erfahrenen Gäste mit dem späteren Bundesligatorwart Raphael Schäfer (273 Bundesligaspiele) im Kasten als großer Favorit an. Zuletzt hatte Lübeck vor eigenem Publikum gegen die stark aufkommende Fortuna aus Köln 0:2 verloren.

Hermann Andreev musste weiterhin auf Mentor Miftari verzichten, der nach der roten Karte beim Spiel in Essen gesperrt war. Außerdem fehlte Heiko März, der inzwischen das Reha-Training aufgenommen hatte. Im Karli lag unterm Tribünendach noch etwas Schnee, doch Ullrich Sotschek, beim Sport- und Bäderamt der Stadt fürs Karli zuständig, ging davon aus, dass gespielt werden konnte. Offiziell 2.495 Zuschauer waren ins Karli gekommen - die Potsdamer Neuesten Nachrichten vermerkten sachlich: „In Wirklichkeit waren viel mehr Augenzeugen im Liebknecht-Stadion.“ Es hatte sich herum gesprochen, dass in Babelsberg gute Fußballunterhaltung geboten wurde.

Von Beginn ansahen die Zuschauer eine packende Partie mitzahlreichen Torraumszenen, die zunächst aber ungenutzt blieben. Spätestens nach 19 Minuten hätte Nulldrei in Front liegen müssen, doch der sonst so zuverlässige Kapitän Alme Civa vergab einen Foulelfmeter. Die zweitbeste Möglichkeit ließ Slawo Chalaskiewicz aus, als er eine Eingabe des erneut von Anfang an spielenden Cem Efe verpasste. Wie so häufig wurde das Chancen-Auslassen bestraft: Als Lübecks Daniel Bärwolf bei einer Freistoßflanke sträflich allein gelassen wurde, vollendete der Torjäger trocken zur 1:0 Pausenführung.

In der Halbzeitpause erinnerten sich die Spieler ans Hinspiel, als sie sogar zweimal einem Rückstand hinterher laufen mussten und am Ende 3:2 gewannen. Mit der entsprechenden Einstellung wollten sie das Spiel drehen. Doch zunächst hatte unsere Equipe kein Glück: Enno Rövers Freistoßtreffer aus zwanzig Metern zwei Minuten nach Wiederanpfiff wurde von Schiedsrichter Babak Rafati zurück gepfiffen, weil der Freistoß direkt statt indirekt aus-geführt worden war.

Doch davon ließ sich Babelsberg nicht beirren. Eine lange Ecke von rechts brachte Marco Küntzel von links zurück vors Tor, Enrico Röver verlängerte per Kopf und am langen Pfosten markierte Slawomir Chalaskiewicz sein erstes Kopfballtor für den SVB. Ausgleich. Nur 30 Sekunden nach dem Anstoß der Lübecker blieb den Babelsberg-Fans das Herz stehen, als Türkmen für Lübeck den Pfosten traf. Eine hochkarätige Aktion jagte die nächste – nun war wieder der SVB am Zug: Freistoß von Alme Civa und Cem Efe nutzte eine Unsicherheit des Lübecker Schlussmanns, um zur 2:1 Führung abzustauben.

Lübeck kämpfte wütend gegen die drohende Niederlage, Babelsberg drückte auf die Vorentscheidung. Das Spiel wogte auf tiefem Rasen hin und her. Martino Gatti ließ zwei gute Möglichkeiten aus. Auf der Gegenseite musste Micha Lorenz zweimal retten. Dann war noch mal Röver dran, der aber den Ball nicht im Lübecker Gehäuse unterbringen konnte. Schließlich musste Alex Kunze noch zwei Mal gegen Bärwolf und Vysniauskas sein ganzes Können aufbieten, um die drei Punkte zu sichern.

Der Jubel auf den Rängen war kaum zu bändigen, denn so langsam nahm die vermeintliche Fata Morgana eines möglichen Aufstiegs klarere Formen an. Während sich die Verantwortlichen des SVB, Trainer Hermann Andreev und Präsi Detlef Kaminski, in Understatement versuchten, war man andernorts schon weiter: Eine Kommission des DFB begutachtete das Stadion bereits im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens und der Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck versprach: „Im Fall eines Aufstiegs gibt es eine große Party der Stadt.“

Lübeck war der Verlierer des Spieltags an der Tabellenspitze der Regionalliga, wo sich insgesamt sechs Teams Hoffnungen auf die beiden Aufstiegsplätze machten. Fortuna Köln nutzte die Gunst der Stunde und kletterte auf Platz 1 (3:0 vs. Lüneburg). Es folgten Münster (3:1 vs. Uerdingen), Braunschweig (3:1 vs. Tebe), Lübeck, Babelsberg und Union Berlin (2:0 vs. Aue).

Sieben-Tore-Thriller in der Lüneburger Heide

Am 28. Spieltag trat unsere Mannschaft in Lüneburg beim dortigen LSK an. Die Lüneburger belegten Rang 17 und hatten zuletzt bei Fortuna Köln mit 0:3 den Kürzeren gezogen. Bei Lüneburg spielten damals u.a. der spätere Nationalspieler Patrick Owomoyela und Ex-Bundesliga-Profi Jens Scharping. Hermann Andreev musste weiterhin auf Mentor Miftari und Heiko März verzichten, Marcus Petsch hatte sich gegen Lübeck eine Bänderdehnung zugezogen und musste ebenso pausieren.

Zu Spielbeginn präsentierten die Babelsberger Fans zunächst eine Dankes-Spruchband für Trainer Hermann Andreev, der sein 50. Regionalliga-Spiel als Coach der Babelsberger bestritt. Unsere Elf begann mit einem Präsent. Der bereits nach einer Minute humpelnde Cem Efe markierte nach acht Minuten die Führung für die Gäste. Wenig später musste der sympathische Stürmer ausgewechselt werden.

Während der SVB in der Folge sein gekonntes, technisch versiertes Kurzpassspiel aufzog, hielten die Lüneburger rustikal dagegen und gingen keinem Zweikampf aus dem Wege. Dies zahlte sich aus, als Scharping Baich auf die Reise schickte, Zoran Tomcic kam zu spät: Elfmeter und das 1:1 waren die Folge. Wenig später hatte Torwächter Alex Kunze Glück, als Tutas für den LSK nur den Pfosten traf. Nun war Babelsberg wieder an der Reihe: Alme Civa schickte Slawo Chalaskiewicz, der auf Lazic flankte: 2:1 für Babelsberg. Doch Lüneburg schlug postwendend zurück. Owomoyela schloss eine schöne Kombination zum 2:2 Pausenstand ab.

Nach dem Wechsel nahm die ohnehin temposcharfe Partie weiter Fahrt auf. Der LSK zeigte jetzt auch spielerische Klasse: Scharping und Tutas bereiteten vor, Radtke lies Marco Laaser aussteigen und tunnelte Björn Laars. 3:2 für Lüneburg. SVB-Torjäger Marco Küntzel meinte nach dem Spiel, er habe nach dem dritten LSK-Treffer nicht mehr an den Sieg geglaubt. Und es wäre wohl auch keiner geworden, hätte Baich seine Großchance genutzt. Stattdessen tauchte Micha Lorenz vor dem LSK-Kasten auf und markierte per Kopf das 3:3.

Angesichts weiterer LSK-Chancen waren die vom Wechselbad der Gefühle völlig fertigen Babelsberger Fans im Prinzip mit einem Punkt zufrieden. Anderseits war auch klar, dass ein Dreier her musste, wenn man weiter vorne mitspielen wollte. Dann kam die 90. Minute. Der herausragende Enrico Röver legte sich den Ball nach Foul an Martino Gatti zum Freistoß zurecht. Anlauf, Schlenzer um die Mauer, 4:3. Mannschaft, Trainer, mitgereiste Fans konnten ihr Glück kaum fassen. Erneut hatte unsere Elf gezeigt, welche Mischung aus Kampfgeist, individuellem Können und spielerischer Qualität in ihr steckte. Ausgelassen feierten Spieler und Fans auf dem Rasen am Wilschenbruch. LSK-Trainer Harry Pleß konstatierte: „Ein Wahnsinn, wir schießen zu Hause drei Tore und verlieren in der 90. Minute. Wir haben die technisch stärkste Mannschaft der Regionalliga gesehen.“ Für Babelsberg agierten am 17.03.2001 vor 1.300 Zuschauern: Kunze; Laars; Laaser, Tomcic; Efe (9. Lazic), Gatti, Lorenz, Civa, Chalaskiewicz; Küntzel (90. Grundmann), Röver.

Die Regionalliga wechselte erneut den Spitzenreiter. Erstmals stand Preußen Münster auf der Pole-Position. Die Münsteraner fügten dem VfB Lübeck die dritte Niederlage in Folge zu. Fortuna Köln rutschte nach einer 0:2 Niederlage gegen Union Berlin auf den zweiten Platz. Dritter waren unsere Babelsberger. Braunschweig folgte nach einem 1:1 gegen Sachsen Leipzig auf Rang 4.

Es war ein weiterer Krimi mit einem Wellenbad, erneut war der SVB nach Rückstand zurück gekommen und hatte die Partie gedreht. In Lüneburg besorgte Enrico Röver am 28. Spieltag der Saison 2000/01 den Endstand zum 4:3 in der Schlussminute. Zeit zum Ausruhen gab es jedoch nicht, denn im Pokal wollte unsere Mannschaft nur drei Tage später die Pflichtaufgabe Rathenow bewältigen.

Durch ein klares 3:0 qualifizierte sich der SVB für das Viertelfinale. Nach gutem Beginn der Gastgeber nutzte Marco Küntzel eine zu kurze Rückgabe des Ex-Nulldreiers Guido Block fürs 1:0. Den 2:0 Halbzeit-Stand markierte Micha Lorenz nach Vorlage von Küntzel. Nach dem Wechsel nahm Nulldrei die Beine etwas hoch, Rathenow konnte dennoch kein Kapital schlagen. Als die eingewechselten Almedin Civa (Flanke) und Jacek Ratajczak (Kopfball) fürs 3:0 sorgten, war die Partie vor 400 Zuschauern endgültig entschieden. Hermann Andreev hatte neben Alme auch Martino Gatti geschont. Anstelle unseres Stammkeepers Alex Kunze hatte Dirk Heinrichs Spielzeit erhalten.

Für Babelsberg spielten auf der Sportanlage Vogelgesang in Rathenow Heinrichs; Laars; Laaser (46.Civa), Tomcic; Rudolph (64. Nabialek), Lorenz, Lazic, Grundmann, Chalaskiewicz; Küntzel (76. Ratajczak), Röver.

Beim drei Tage später in Fredersdorf/Vogelsdorf absolvierten Viertelfinale gab sich Nulldrei erneut keine Blöße, wenn der Landesligist auch letztlich keine ernsthafte Hürde war. Einmal mehr war Marco Küntzel nicht zu halten. Seine erste Chance konnte der Keeper noch parieren, gegen Mentor Miftaris Nachschuss war er nach sieben Minuten machtlos. Den zweiten Treffer gegen zu ängstliche Gastgeber besorgte „Kü“ persönlich. Fredersdorf bemühte sich zwar, hatte aber dem schnellen Babelsberger Umkehrspiel kaum etwas entgegen zu setzen. Nach dem Wechsel war es erneut Küntzel, der den 3:0 Endstand herstellte. Nulldrei war mit den Gedanken schon beim nächsten wichtigen Regionalliga-Punktspiel und so schonten sich Heinrichs; Laars; Laaser, Tomcic; Miftari, Civa, Lazic, Gatti, Lorenz, Chalaskiewicz (77. Ratajczak), (77. Grundmann); Küntzel (77. Nabialek).

Derby-Zeit in Babelsberg: „Ostgipfel mit Zweitliga-Niveau“ (Kicker)

Dass die folgende Begegnung der Regionalliga von besonderer Bedeutung war, ließ sich schon am journalistischen Interesse ablesen. Zur Pressekonferenz vor dem Landespokalspiel gegen Fredersdorf/Vogelsdorf fand sogar der ORB (heute RBB) den Weg ins Karli, der schon damals nur spärlich aus Babelsberg berichtete. Ursache war natürlich nicht nur der Babelsberger Höhenflug, sondern auch das Duell der besten ostdeutschen Fußball-Mannschaften. Am 29. Spieltag sollte nämlich der 1. FC Union Berlin im Karli zu Gast sein.

Babelsberg war zwar als Dritter vor Union auf Rang 6 platziert, doch das Hinspiel hatten die Köpenicker mit 3:0 klar für sich entschieden. Der vermeintliche Heimvorteil für Nulldrei bestand nur auf dem Papier, denn es wurde mit über 4.000 Union-Fans im Karli gerechnet. Auch die Statistik sprach für Union: Der letzte Babelsberger Sieg gegen die Förster gelang 1973 an der Alten Försterei, als Siegfried Kuhlbrodt zum 1:0 für Motor traf. In der neuzeitlichen Regionalliga hatte Babelsberg von sieben Spielen bei einer Torquote von 1:16 sechs Vergleiche verloren. Doch all diese Erbsen ließen Pepe Petsch und Co kalt. Unsere Elf hatte in der laufenden Saison mehrfach gezeigt, dass sie auch gegen Spitzenteams der Regionalliga bestehen konnte.

Das Spiel begann wegen massiver Probleme an den Kassen mit Verspätung. Trotz Fernsehberichterstattung pfiff Schiri Soltow elf Minuten später an. Bei bestem Fußballwetter begann Nulldrei engagiert und druckvoll, Martino Gatti und Almedin Civa knöpften den Gästen mit hoher Lauf- und Zweikampfbereitschaft den Schneid im Mittelfeld ab. Die ersten Gelegenheiten ergaben sich für Gatti nach Miftaris Flanke sowie für Chalaskiewicz per Freistoß (nach Foul an Küntzel). Auf der Gegenseite verpasste Unions Goalgetter Teixeira eine Isa-Flanke. Die größte Chance hatte Enrico Röver, der nach einer Kombination über Küntzel und Miftari per Kopf nur den Dreiangel des Union-Gehäuses traf. Es folgte die spielentscheidende Szene. Als Teixeira im Strafraum des SVB zu Boden ging - halb zog es ihn, halb sank er hin - entschied der Unparteiische nach 35 Minuten auf Strafstoß. Wer diesen Strafstoß als Maßstab nimmt, müsste pro Partie 10-15 Strafstöße verhängen, waren sich viele Augenzeugen nach der Partie einig. Teixeira ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelte selbst zur 1:0 Führung für die Gäste.

Nach dem Wechsel blieb der SVB das bessere Team, konnte die zahlreichen Torchancen aber nicht in Zählbares ummünzen. Union kam zwar nur sporadisch vor den Kasten von Keeper Alex Kunze, blieb aber jederzeit gefährlich. Es war dem Mann aus den Bergen zu verdanken, dass das Spiel bis in Schlussphase offen blieb. Doch der Ausgleich gelang der wacker kämpfenden Nulldrei-Elf nicht mehr und es blieb letztlich beim glücklichen Auswärtssieg für Union.

Die Begleitumstände des Spiels blieben ebenso wie der Elfer lange in Erinnerung. Im Gästeblock, wo sich ca. 5.000 Unioner drängelten, herrschte teilweise Ausnahmezustand. Zwischenzeitlich musste die Partie unterbrochen werden, weil die Tornetzbefestigung von Union-Fans auf dem Zaun demontiert worden war.

Detlef Kaminski bemängelte die fehlende Cleverness unsere Elf, Alme Civa sprach sowohl dem Spiel als auch der Kulisse Zweitliga-Tauglichkeit zu. Der Kicker konstatierte: „Babelsberg hatte in der temposcharfen Begegnung deutlich mehr vom Spiel. […] Der SVB imponierte mit gekonntem Kurzpassspiel, Union beeindruckte mit blitzschnellen Kontern, verlegte sich später aber zu schnell auf die Defensive. […] Für die Entscheidung sorgte wiederum Teixeira. Petsch war den Brasilianer ungestüm angegangen, der fiel prompt und verwandelte den umstrittenen Strafstoß selbst.“ Vor über 10.000 Zuschauern spielten am 31.03.2001 für Babelsberg: Kunze; Laars; Laaser, Petsch; Miftari (58. Lazic), Gatti, Civa, Lorenz, Chalaskiewicz; Küntzel, Röver.

An der Tabellenspitze rückte wieder mal alles enger zusammen. Preußen Münster quälte sich in Lüneburg zu einem 1:1 und verdrängte Fortuna Köln (4:2 Sieg gegen Wattenscheid) mit dem besseren Torverhältnis von der Pole-Position. Union schob sich durch den Sieg gegen Babelsberg auf Rang 2 vor, Köln war nun Dritter, auf Platz 4 folgten unsere Nulldreier. Braunschweig unterlag Aue mit 0:1 und rutschte punktgleich mit dem Sechsten Lübeck (0:1 vs. Düsseldorf) auf Rang 5 ab.

Nach der unglücklichen 0:1 Niederlage im Karli am 29. Spieltag der Saison 2000/01 gegen Union Berlin war die Stimmung gedrückt. Wieder war gegen die abgezockteren Köpenicker kein Erfolg gelungen, obwohl Babelsberg diesmal die bessere Mannschaft stellte.

Nachholer am Mittwoch-Nachmittag

Doch unsere Elf konnte sich nicht lange mit der Teixeira-Schwalbe und dem folgenden Elfer aufhalten. Die Niederlage musste aus den Köpfen, denn schon am Mittwoch stand das nächste Meisterschaftsspiel an. Die Partie des 25. Spieltags gegen den SC Verl musste nachgeholt werden. Im Hinspiel gegen den nunmehr auf Rang 12 liegenden SCV hatte Babelsberg nach 1:0 Führung noch den Ausgleich hinnehmen müssen und mit Mentor Miftari und Slawomir Chalaskiewicz gleich zwei Spieler nach Platzverweis verloren. Um im Meisterschaftsrennen weiter Schritt halten zu können, war ein Heimsieg quasi Pflicht. Da es im Karli noch kein Flutlicht gab, wurde die Partie zur besten Fußballzeit nachmittags um 17.30 Uhr angepfiffen. Entsprechend spärlich war der Besuch. 1.893 Zuschauer versammelten sich im Karli, eine Schande angesichts der bisher gezeigten Leistungen.

Vielleicht lag es an der ungewöhnlichen Anstoßzeit, vielleicht auch ein wenig an der nachlassenden Kraft bei unserem SVB, es kam jedenfalls kam kein gutes Spiel zustande. In Hälfte eins hatte der nicht gerade als Torjäger bekannte Martino Gatti die besten Chancen für Nulldrei. Auf der Gegenseite schoss Plaßhenrich am Tor von Alex Kunze vorbei. Ansonsten dominierten die Abwehrreihen.

Nach dem Wechsel hatte die Halbzeitansprache von Trainer Hermann Andreev offensichtlich gefruchtet. Alme Civa flankte nur drei Minuten nach Wiederanpfiff lang auf Micha Lorenz, der keine Mühe hatte, aus kurzer Distanz einzuschießen. Wenig später war es Marco Küntzel, der seinen Sturmpartner Enrico Röver bediente. Rövte markierte ebenfalls aus Nahdistanz das 2:0. Mit der sicheren Führung verfiel die Partie wieder in den weitgehend lethargischen Vorzustand. Zwei Gelegenheiten zu erhöhen, vergaben Igor Lazic und Alme Civa.

Am Mittwoch, 4. April 2001, spielte Babelsberg mit Kunze; Laars; Laaser, Petsch (82. Tomcic); Miftari, Gatti, Lorenz (79. Grundmann), Civa, Chalaskiewicz; Röver (63. Lazic), Küntzel.

Hermann Andreev war nach dem Spiel mit dem Ergebnis zufrieden, bemängelte aber viele Fehler im Mittelfeld und die zu stark auf die Mitte orientierte Spielanlage. Dennoch waren drei Punkte im Sack und unsere Elf rangierte weiter punktgleich auf Platz 3 hinter Münster und Köln (je ein Spiel weniger als Nulldrei). Union war Vierter, hatte aber ebenso wie Braunschweig (Rang 6) zwei Spiele weniger auf der Uhr als unsere Babelsberger. Der ehemals klare Spitzenreiter Lübeck war inzwischen auf Rang 5 durchgereicht worden, hielt aber punktemäßig ebenfalls Anschluss.

Gastspiel auf der Lorheide

Die nächste Aufgabe folgte bereits drei Tage später mit dem Spiel gegen Wattenscheid 09. Der ehemalige Erst- (vier Jahre) und Zweitligist (20 Jahre) hatte zu Hause nur gegen Braunschweig verloren. Alle anderen Spitzenmannschaften, die bisher an der Lorheide gestiert hatten, mussten sich mit einem Remis begnügen. Nur drei Spiele hatten die Schwarz-Weißen zu Hause abgegeben. Im Kader standen einige Akteure die später in der Bundesliga und zweiten Liga auflaufen sollten (u.a. Melkam, Lintjens, Iyodo, Kläsener, Adamu).

Babelsberg begann druckvoll und offensiv. Bereits nach fünf Minuten standen drei Ecken für den SVB auf dem Konto - leider allerdings auch die Null an der Toranzeige. Nach gut einer Viertelstunde nutzte Marco Küntzel seine fünfte Gelegenheit zum längst fälligen 1:0. So auffällig wie das Offensivspiel waren allerdings auch die Probleme in der Defensive. Häufige Lässigkeiten unseres Liberos sowie seiner Innenverteidigerkollegen luden die schnellen Wattenscheider Spitzen Iyodo und Shittu immer wieder zu Gelegenheiten ein. Während vorn „Kü“ und „Rövte“ weiterhin Chancen ausließen, musste Alex Kunze hinten ein ums andere Mal die Patzer seiner Vorderleute ausbügeln. In der dreißigsten Minute klärte er einen Kempkens-Schuss geradeso noch an den Pfosten.

Der Kräfteverschleiß der letzten englischen Wochen mit Pokal und Nachholspiel war deutlich spürbar und so fiel nach dem Wechsel prompt das vermeidbare Gegentor. Doch unsere Nulldreier rafften sich noch einmal auf. Erneut war es Küntzel, der sich einfach nicht bremsen ließ. Seine insgesamt siebte gute Möglichkeit verwandelte er zur 2:1 Führung. Zehn Minuten vor dem Ende verpasste Igor Lazic nach einer weiteren lehrbuchreifen Kombination die endgültige Entscheidung. Was folgte, war ein bitteres Ende für den zweifellos besten Babelsberger und sein Team: „Kü“ ließ sich von Gegenspieler Przybilla provozieren und geigte ihm die Meinung. Przybilla spielte Theater und ließ sich fallen. Der Schiri deutete dies als Folge eines Kopfstoßes und schickte Küntzel duschen. Es passte ins Bild, dass die jederzeit gut mitspielenden Wattenscheider quasi mit dem Schlusspfiff durch den späteren Rostocker Melkam zum 2:2 Ausgleich trafen.

Seine Mannschaftskameraden waren nach Spielende ziemlich sauer auf „Kü“. Alme Civa sprach von Dummheit, Hermann Andreev meinte: „Marco hat alles kaputt gemacht.“. Doch bereits mit etwas Abstand fassten sich die Nulldreier und ihr überragender Stürmer. Präses Kaminski hatte zuvor bei mehreren Sportgerichtsverhandlungen in Barsinghausen persönlich vorgesprochen und für Zoran Tomcic und Slawomir Chalaskiewicz Verkürzungen der Sperrfristen herausgeholt. Das an Küntzel gerichtete, aufmunternd gemeinte „Jetzt hör auf zu heulen!“ verfehlte seine Wirkung darum nicht.

Babelsberg spielte im Lorheide-Stadion mit: Kunze; Laars; Laaser, Petsch (80. Tomcic); Miftari (57. Lazic), Civa, Gatti, Lorenz; Chalaskiewicz; Röver, Küntzel.

Vorn marschierte der 1. FC Union, der Preußen Münster vor über 8.000 Zuschauern an der Alten Försterei mit 3:2 niederrang und so vom Tabellenthron stieß. Fortuna Köln profitierte und übernahm mit einem 2:1 Heimsieg im zweiten Spitzenspiel gegen Braunschweig die Poleposition. Lübeck meldete sich nach langer Durststrecke mit einem 4:2 Erfolg gegen Werders Reserve zurück.

Die englischen Wochen nahmen kein Ende. Bereits am Gründonnerstag musste Babelsberg im Pokalhalbfinale beim MSV Neuruppin antreten. Die Gastgeber hatten bereits begonnen, Mannschaft und Sportanlage für den zwischenzeitlichen Höhenflug des MSV aufzurüsten. Im Vorjahr hatte Nulldrei die Halbfinalpartie nur knapp gewonnen (6:5 nach Elfmeterschießen).

Doch diesmal bereiteten die Neuruppiner (u.a. mit den Ex-Babelsbergern Dietmar Drabow und Jens Henschel) wesentlich weniger Probleme. Der zurückkehrende Winter machte das Spiel unter dem schummrigen Flutlicht des Volkspark-Stadions dennoch zu einer ungemütlichen Partie. Heftiges Schneegestöber hinderte Mentor Miftari, Michael Lorenz und erneut Miftari aber nicht, für klare Verhältnisse zu sorgen. Der spätere Babelsberger Oberliga-Spieler Georg Froese besorgte den Ehrentreffer für Neuruppin. Dirk Heinrichs parierte in der Schlussminute einen von Miftari unglücklich verursachten Handelfmeter. Im Finale am 1. Mai 2001 sollten Altlüdersdorf oder die Cottbuser Reservisten der Gegner des SVB sein, die das zweite Halbfinale bestreiten sollten.

Babelsberg spielte im Volksparkstadion in Neuruppin mit Heinrichs; März; Laaser, Tomcic; Miftari (79. Gatti), Grundmann, Lorenz (50. Civa), Chalaskiewicz; dos Santos, Lazic, Ratajczak.

Nach dem 2:2 Unentschieden in Wattenscheid am 30. Spieltag lag der SVB in der Regionalliga-Tabelle auf dem vierten Platz hinter Union Berlin, Preußen Münster und Fortuna Köln. Durch die ungerade Anzahl der Teams ergab sich ein schiefes Tabellenbild, denn an jedem Spieltag musste eine Mannschaft aussetzen. Union hatte bereits pausiert, während alle Verfolger bis auf den Sechsten Eintracht Braunschweig, noch einmal aussetzen und dabei der Konkurrenz tatenlos beim Punkten zusehen mussten.

Österliches Verfolger-Duell im Karli

Am Ostermontag, 16. April 2001, erwartete unsere Elf den Tabellensechsten Eintracht Braunschweig zum Verfolgerduell im Karli. Die Blau-Gelben galten vor Saisonbeginn als einer der Titelfavoriten, hatten aber nach der Winterpause eine Schwächephase. Der BTSV hatte in der Frühjahrsrunde bis dato nur zwei Siege gegen Tebe und Uerdingen einfahren können. Dem standen zwei Niederlagen und fünf Unentschieden gegenüber.

Trainer Hermann Andreev musste in der Partie gegen Braunschweig auf Marco Küntzel verzichten, der gegen Wattenscheid nach einem Ausraster Rot gesehen hatte. Für den verletzten Marcus Petsch rückte Zoran Tomcic auf die Manndecker-Position. David Miletic ersetzte Küntzel. Die Partie im Karli war von Beginn an von beiden Seiten intensiv geführt, wobei die Gäste zunächst die gradlinigeren Angriffe zeigten. Besonders der auffällige Wieczorek und der ehemalige Bundesliga-Spieler Weetendorf bereiteten der Babelsberger Hintermannschaft erhebliche Probleme. Bereits nach sieben Minuten knallte Weetendorf eine Wieczorek-Flanke an den Querbalken des Kastens von Alex Kunze. Unsere Elf kam lediglich zu einer guten Möglichkeit durch Martino Gatti, der eine Vorarbeit vom starken Marco Laaser nicht verwerten konnte. Noch mehrfach musste sich unsere Elf bei Alex Kunze bedanken, dass es nicht im Babelsberger Gehäuse einschlug.

Nach dem Wechsel brachte Hermann Andreev für Rückkehrer Miletic den „guten Fußballer“ Igor Lazic und unsere Mannschaft kam zunehmend besser ins Spiel. Es war Lazic, der mit seinem Pfostenschuss in der 53. Minute das Signal zum Aufbruch gab. Der nun immer stärker werdenden Babelsberger Offensive wollte Eintracht Trainer Reinhold Fanz mit der Einwechslung des späteren Frankfurter Bundesliga-Spieler Patrick Falk und Stürmer Endres Paroli bieten. Doch Andreev konterte und brachte den nach langer Verletzung genesenen Heiko März ins Spiel. Libero Björn Laars rückte für den angeschlagenen Micha Lorenz ins Mittelfeld und so hatte Nulldrei noch mehr Offensivqualität auf dem Platz. Zunächst scheiterte Laaser nach Doppelpass mit Lazic zwar knapp an Keeper Zimmermann. Aber als Heiko März mit genialem Zuspiel Enrico Röver bediente, ließ sich „Rövte“ nicht zwei Mal bitten: Von links marschierte er in den Sechzehner und vollendete präzise in die lange Ecke.

78 Minuten waren gespielt und das Karli stand Kopf. Die Eintracht hatte in Hälfte zwei kaum noch gute Möglichkeiten, musste jetzt aber noch weiter aufmachen, so dass sich wahrlich treffliche Kontergelegenheiten ergaben. In Minute 83 schickte Björn Laars mit genialem Zuspiel Slawomir Chalaskiewicz auf die Reise, der frei vor Zimmermann auftauchte. Absolut uneigennützig passte der mit „Schali, Schala, Chalaskiewicz“ gefeierte Linksaußen auf den mitgelaufenen Igor Lazic, der sich die Ecke zum 2:0 aussuchen konnte.

Auch den zweiten Treffer konnte Braunschweig nicht kontern und so blieb es beim 10. Sieg im 15. Heimspiel für Nulldrei. Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann hatte mit der weitgehend fairen Partie vor 3.500 Zuschauern kaum Probleme. Babelsberg hatte am 16. April 2001 mit folgender Equipe gespielt: Kunze; Laars; Laaser, Tomcic; Miftari, Gatti, Lorenz (72. März), Civa, Chalaskiewicz; Miletic (46. Lazic), Röver.

Daniel Teixeira traf und traf. Der Brasilianer, den Union in der Winterpause aus Uerdingen weggelockt hatte, verzeichnete inzwischen 27 Treffer (davon 13 für Union) auf seinem Tore-Konto. Gegen Fortuna Düsseldorf erzielte Teixeira seinen siebten Doppelpack der Saison und stürzte Fortuna noch tiefer in den Abstiegskampf. Aus der Spitzengruppe gab somit nur Preußen Münster Punkte ab. Der eingewechselte A-Jugendliche Halil Altintop hatte für Wattenscheid zum späten 2:2 Ausgleich getroffen. Fortuna Köln überholte den SCP nach einem klaren 4:0 gegen Schlusslicht Tennis Borussia.

Zu Gast im Mommsen-Ground

Mit der sprichwörtlichen Straßenbahn konnte man zum nächsten Auswärtsspiel reisen. Babelsberg war zu Gast bei Tennis Borussia im Berliner Mommsenstadion. Der Charlottenburger Traditionsclub war ein trauriges Beispiel für den selbstverschuldeten Niedergang eines Fußballvereins. Ahnungslose Funktionäre hatten sich, vom Geld geblendet, von einem windigen Versicherungsunternehmen abhängig gemacht. Nach hochfliegenden Träumen von der Champions League platzte die Seifenblase wie das Schneeballsystem der Göttinger Gruppe. Tebe stand nach dem Zwangsabstieg aus der zweiten Liga in der Regionalliga auf dem letzten Platz. Auch der neue Trainer Friedhelm Haebermann konnte den sportlichen Offenbarungseid nicht stoppen.

Wie fast immer tat sich unsere Elf schwer gegen den Tabellenletzten. Vor allem die mangelhafte Chancenverwertung war Schuld am letztlich knappsten aller Siege. Besonders Enrico Röver tat sich beim Auslassen selbst bester Gelegenheiten hervor. Der spätere Bundesliga-Keeper René Renno bot auf Berliner Seite eine hervorragende Partie und vereitelte Großchancen im Minutentakt. Doch einmal war auch Renno machtlos. Als Marco Küntzel einen weiten Abschlag von Alex Kunze aufnahm und Verteidiger Cornelius wie einen B-Jugendlichen stehen lies, knallte er das Leder unhaltbar unter die Querlatte. Aber gerade weil es eben ein typisches Spiel einer Babelsberger Elf gegen Schlusslichter der Tabelle war, wog der Sieg umso schwerer und wurde von den fast 1.000 Babelsbergern unter den 1.650 Zuschauern ausgelassen gefeiert.

Babelsberg spielte am 21. April 2001 mit Kunze; Laars; Laaser, Tomcic; Miftari (85. Lazic), Gatti, Lorenz (79. März), Chalaskiewicz; Küntzel, Röver.

Da Fortuna Köln beim FC Sachsen Leipzig über ein 1:1 Unentschieden nicht hinauskam, war der SVB nunmehr punktgleich mit dem Zweitplatzierten aus der Domstadt. Vorn marschierte der DFB-Pokalfinalist aus Köpenick unbeirrt, wenn auch der 1:0 Heimsieg gegen Bremens Reserve keineswegs souverän war. Hinter Köln und Babelsberg folgten Münster (1:2 vs. Braunschweig), Lübeck (3:2 vs. Wilhelmshaven) und Braunschweig.

Die finale Etappe startet mit einer Pokal-Niederlage

Die Regionalliga-Saison 2000/2001 bog Ende April auf die Zielgerade ein und unsere Nulldrei-Equipe war sensationeller Weise im Schlussspurt vorn dabei. Mit dem 1:0 Auswärtssieg im Mommsenstadion beim Schlusslicht TeBe hatte die Mannschaft von Hermann Andreev punktgleich mit Fortuna Köln den dritten Platz inne.

Bevor es im Kampf um Meisterschaftspunkte weitergehen sollte, stand das Finale des brandenburgischen Landespokals an. Babelsberg musste bei der zweiten Mannschaft von Energie Cottbus im Stadion der Freundschaft antreten. Zuvor hatten unsere Nulldreier den Pokal zwei Mal gewonnen(vs. Schöneiche und Frankfurt). Die Cottbuser waren Siebter der Oberliga-Staffel Süd. Hermann Andreev verzichtete auf sieben Stammspieler, doch der zweite Anzug passte nicht. Bereits nach fünf Minuten ging Cottbus II vor knapp 1.000 Zuschauern in Führung. Heiko März unterlag im Laufduell gegen Kubis und der erzielte gegen Dirk Heinrichs im Kasten das 1:0. Auch danach kam Babelsberg nur selten gefährlich nach vorn, Miftari verpasste nach Chalaskiewicz-Flanke die beste Gelegenheit – während die Gastgeber weiter gefährlich blieben. Kurz vorm Pausenpfiff war es erneut Kubis, der einen verlängerten Abschlag aufnahm, sich gegen Heiko März und Zoran Tomcic durchsetzte und zum 2:0 einnetzte.

Im zweiten Abschnitt brachte Hermann Andreev mit Marco Küntzel, Björn Laars und Enrico Röver weitere Stammkräfte, doch die bekannten Offensivqualitäten blieben unsichtbar. Als März nach 75 Minuten flankte, gelang Chalaskiewicz zwar der Anschlusstreffer, doch das Tor hatte leider keine Initialwirkung. In der Schlussminute wurde Nulldrei klassisch ausgekontert und Hein markierte für Cottbus das 3:1. Die schmerzliche Niederlage gegen die zweite Elf des brandenburgischen Rivalen hatten folgende Kicker auf die Kappe zu nehmen: Heinrichs; März; Laaser, Tomcic; Miftari, Civa, Grundmann (46. Laars), Lazic, Chalaskiewicz; Efe (46.Röver), Miletic (38. Küntzel).

Wieder dreht Babelsberg die Partie

Präsident Kaminski kommentierte die Pokalschlappe: „Wenn das heute der Preis für den Aufstieg war, zahle ich ihn gerne. Einige Spieler der zweiten Reihe sollten weniger über neue Verträge nachdenken, sondern erstmal über ihre eigene Leistung.“ Bereits vier Tage später gab es im Karli die Chance, die Pokalpleite wegzuwischen. Zu Gast war im fünftletzten Meisterschaftsspiel der FC Sachsen Leipzig, der noch in massiver Anstiegsgefahr schwebte. Wattenscheid 09 hatte sich im Nachholspiel bei Eintracht Braunschweig 3:2 durchgesetzt und war an den Leipzigern vorbei geschlichen. Der BTSV hatte sich mit dieser Niederlage en passant aus dem Kreis der Aufstiegsanwärter verabschiedet. In Leipzig war unter der Woche der bulgarische Trainer Hristo Bonew zurückgetreten. Für ihn hatte Jürgen Raab übernommen.

Die Gäste präsentierten sich im Karli in guter physischer Verfassung, mit einem Blitzstart gingen sie nach nur zwei Minuten in Führung. Klee hatte aus 20 Metern abgezogen und Björn Laars fälschte unhaltbar für Alex Kunze ab. Doch Nulldrei zeigte sich nicht geschockt. Mit schnellen Kombinationen wurde die Offensive gesucht und nur drei Minuten später gelang bereits der Ausgleich: Micha Lorenz schlenzte nach links auf Röver, der bediente Martino Gatti und letzterer vollendete mit seinem dritten Saisontreffer zum 1:1. Bis zur Halbzeit wurden weitere Chancen auf beiden Seiten nicht genutzt.

Auch nach dem Wechsel zeigten beide Mannschaften ein ausgeglichenes Spiel, bis Marco Küntzel in Aktion trat: Nach einer Traumkombination über Björn Laars und Enrico Röver landete das Spielgerät beim schnellen Mecklenburger, der in den Sechzehner marschierte und unwiderstehlich zum 2:1 vollendete. Sachsen-Trainer Raab meinte hinterher: „Vor solchen Kombination habe ich meine Mannschaft gewarnt.“ Doch sie waren eben schwer zu unterbinden und so ging die Führung auch in Ordnung. Als sich der FC Sachsen selbst schwächte – Virag wurde nach Tätlichkeit am lässigen Libero Laars vorzeitig zum Duschen geschickt – war die Partie im Prinzip entschieden. Den Schlusspunkt setzte vor 2.500 Zu-schauern Enrico Röver, der diesmal uneigennützig von Marco Küntzel bedient wurde. Für Babelsberg spielten am 5. Mai 2001 Kunze; Laars, Laaser, Petsch; Miftari (81. März), Gatti, Lorenz, Civa, Chalaskiewicz; Röver (89. Efe), Küntzel(90. Lazic).

Da Fortuna Köln zu Hause eine überraschende 1:2 Niederlage gegen Aue hinnehmen musste, war Babelsberg nun Zweiter der Tabelle und hatte den Aufstieg fest im Visier. Union war mit einem 2:0 gegen Dortmund II und sechs Punkten Vorsprung klar auf dem Weg Richtung zweite Liga, während Nulldrei noch gegen die direkten Konkurrenten Münster und Köln antreten musste. Bevor es gegen die direkten Mitbewerber um den Zweitliga-Aufstieg gehen sollte, musste unsere Mannschaft am 34. Spieltag beim FC Erzgebirge Aue antreten.

Auswärtsfahrt ins Erzgebirge

Die Veilchen aus dem Lößnitztal waren mit sieben Siegen aus acht Spielen in die Saison gestartet um anschließend vier Mal am Stück zu verlieren. Nach einer weiteren Durststrecke aus acht Spielen ohne Sieg konnten die Westsachsen aber zuletzt vier Mal in Folge (u.a. vs. Köln und Braunschweig) gewinnen und standen im vorderen Mittelfeld auf Rang 7. Unter der Woche hatte Präsident Kaminski dem Trainerduo Andreev/Nachtigall Vertragsangebote bis 2003 vorgelegt. Außerdem wurde bekannt, dass Marco Küntzel nach Saisonende nach Mönchengladbach in die erste Liga wechseln würde.

Im Erzgebirgsstadion in Aue entwickelte sich ein Regionalliga-Spiel auf hohem Niveau, in dem allerdings Torchancen Seltenheitswert hatten. Bereits nach drei Minuten verhinderte Aues Torwächter Kischko einen Röver-Riesen, auf der Gegenseite parierte Alex Kunze gegen seinen Namensvetter Maik einen platzierten Kopfball. Mit der zweiten echten Möglichkeit ging Nulldrei in Front. Nach einem Absatzkick von Röver war Küntzel durch, ließ noch einen Auer aussteigen und vollendete zum 1:0.

Nach dem Wechsel beschränkte sich unsere Mannschaft auf das Verwalten des Vorsprungs, was auch lange Zeit gut gelang. Doch mehrfach musste auch Alex Kunze eingreifen und den Ausgleich verhindern. Als aber in der 78. Minute Heidrich von rechts flankte und Jörg Kirsten direkt abnahm, war unser Mann aus den Bergen geschlagen. Für Babelsberg spielten am 12. Mai 2001 vor 3.000 Zuschauern: Kunze; Laars; Laaser, Petsch (81. Lazic);Miftari, Gatti, Lorenz, Civa, Chalaskiewicz; Röver, Küntzel.

Köpenick steigt auf und spielt international

Union Berlin machte mit einem 5:0 Sieg gegen Wilhelmshaven am 34. Spieltag den Zweitliga-Aufstieg klar. Nach der Qualifikation für das DFB-Pokal-Finale und der bereits feststehenden UEFA-Pokal-Teilnahme war den Köpenickern das wichtigste Saisonziel nicht mehr streitig zu machen. Wie wichtig der Punktgewinn in Aue für Babelsberg war, wurde erst deutlich, als die Ergebnisse des Spieltags durchgesagt wurden. Preußen Münster hatte überraschend in Leipzig mit 0:2 verloren. Da Köln spielfrei war, stieg der Vorsprung des SVB vor Köln und Münster auf vier Punkte an. Und am kommenden Spieltag sollte die zuletzt arg gebeutelte Fortuna beim SVB im Karli antreten.

Die direkten Duelle entscheiden

Mit dem 1:1 Unentschieden in Aue hatten unsere Babelsberger den zweiten Platz in der Regionalliga-Saison 2000/2001, der zum Aufstieg in die zweite Bundesliga berechtigte, behauptet. Union war durch, der Kampf im Platz zwei konzentrierte sich auf Nulldrei, Preußen und Fortuna. Lübeck lag bereits fünf Punkte hinter unseren Babelsbergern. Nulldrei musste allerdings wegen der ungeraden Anzahl der Teams noch einmal aussetzen. Besondere Spannung versprachen die weiteren Ansetzungen, denn Babelsberg musste noch zum Duell gegen Köln und in Münster antreten. Außerdem trafen beide Konkurrenten der Nulldreier noch im direkten Duell aufeinander.

Zunächst erwartete das Team von Trainer Hermann Andreev die südlichen Domstädter. Fortuna hatte als Absteiger aus der zweiten Liga erhebliche wirtschaftliche Probleme. Ihren Ausdruck fanden die finanziellen Kalamitäten in der Durchsuchung der Geschäftsräume von Präsident und Hauptfinanzier Jean Löring. Doch die sportliche Leistung der Fortunen hatte unter den Dauerquerelen kaum gelitten. Die Fortuna war das auswärtsstärkste Team der ersten drei Ligen. Von 16 Partien konnten zehn gewonnen werden.

In Babelsberg hingegen hoffte man auf die Heimstärke der Mannschaft und auf die Unterstützung des Publikums. Präsident Detlef Kaminski wünschte sich „Stimmung wie auf St. Pauli.“ Über 5.000 Besucher kamen am Freitagabend ins Karli und sahen eine gutklassige Partie, in der allerdings keine Tore fallen sollten. Im ersten Abschnitt bestimmten die robusten Kölner die Partie, die zweite Hälfte dominierte Babelsberg, das die bessere Spielanlage zeigte und die technisch feinere Klinge schlug. Dass es trotz zahlreicher Torgelegenheiten beim 0:0 blieb, lag auch an der starken Leistung beider Torwächter. Babelsberg spielte am 18. Mai 2001 mit Kunze; Laars, Laaser, Tomcic (67. Lazic); Miftari, Gatti, Lorenz, Civa, Chalaskiewicz; Küntzel, Röver.

Komplizierte Rechnerei

Union Berlin bekleckerte sich beim glanzlosen 0:0 gegen den DSC nicht mit Ruhm, das war den Köpenickern aber egal. Hinter dem FCU tobte allerdings der Dreikampf zwischen Köln, Münster und unseren Babelsbergern heftigst weiter. Münster bezwang Aue mit 2:0 und verkürzte damit den Rückstand auf den SVB auf Platz 2 auf zwei Punkte. Lübeck konnte nach einer 0:2 Niederlage in Verl nicht mehr entscheidend in den Kampf um den Vizetitel eingreifen.

Während sich die Blicke der Babelsberger Fans am spielfreien Wochenende nach Köln auf die Partie zwischen Fortuna und Preußen Münster richteten, arbeitete Präsident Kaminski am neuen Kader sowie an einer Professionalisierung der Strukturen. Mit den Hanseaten Möller, Hennig und Kampf zeichnete sich Verstärkung der erfolgreichen Hansa-Fraktion bei Babelsberg ab. Außerdem gab der Präsident das Engagement des Ex-Nulldrei-Torwächters Oskar Kosche als neuer Geschäftsführer des SVB bekannt. Das Ergebnis aus Köln steigerte die Euphorie nochmals, denn die westdeutschen Teams trennten sich1:1 Unentschieden. Da Münster am letzten Spieltag pausieren musste, war klar, dass unserer Elf bei Preußen ein Unentschieden reichen würde. Dann hätte nur noch Fortuna Köln eine kleine Chance am SVB vorbeizuziehen, falls der SVB im letzten Saisonspiel gegen die abstiegsgefährdete Fortuna aus Düsseldorf verlieren würde.

Doch die komplizierte Rechnerei wollten die SVB-Kicker nach Möglichkeit vermeiden. Mit Münster war noch eine Rechnung aus dem Hinspiel offen. Babelsberg hatte gegen Preußen vor heimischem Publikum mit 0:4 die höchste Saisonschlappe hinnehmen müssen. Entsprechend viele Nulldreier machten sich unter anderem mit vier Reisebussen auf den Weg ins Preußenstadion, während unsere Mannschaft den ICE nahm. Die bevorstehende Partie sollte zu den denkwürdigsten Spielen in der Babelsberger Fußballhistorie werden.

Ein historisches Spiel

Hermann Andreev schickte überraschender Weise Heiko März von Beginn an als Libero aufs Feld. Björn Laars rutschte dafür ins Mittelfeld. Münster begann engagiert, konnte sich aber gegen die kompakte Defensive des SVB zunächst nur ein Übergewicht bei den Feldanteilen erspielen. Torchancen blieben Mangelware. Doch nach einer Viertelstunde wurden die Gastgeber stärker. Ausgerechnet der Ex-Babelsberger Stephan Schmidt war dann an der Preußen-Führung beteiligt. Marco Laaser fälschte seinen Schussversuch ins eigene Tor ab. 0:1 aus Babelsberger Sicht.

Münster hatte nun Oberwasser und der SVB mehrfach Glück, dass der SCP die Führung nicht ausbauen konnte. Simonsen scheiterte freistehend an Alex Kunze. Kurz vor der Pause markierte der vollbärtige Björn Laars mit seinem zweiten Saisontor den etwas glücklichen Ausgleich. Nach dem Wechsel nahm die ohnehin von beiden Seiten energisch geführte Partie einen dramatischen Verlauf.

Fünf Minuten nach der Pause stockte den 7.550 Zuschauern im Preußenstadion der Atem. SCP-Libero Küsters brach mit einem diabetischen Schock auf dem Platz zusammen. Bundesliga-Schiri Hartmut Strampe unterbrach die Partie für zehn bange Minuten. Die Preußen erholten sich von diesem Schock, während Nulldrei kurzzeitig von der Rolle war. Münster wähnte sich auf der Siegesstraße, als Martino Gatti das zweite Babelsberger Eigentor des Spiels fabrizierte und so die 2:1 Führung für die Gastgeber besorgte.

Doch spätestens jetzt zeigte sich die ganze Qualität des Babelsberger Kaders. Während Nulldrei-Torschütze Björn Laars von Krämpfen geplagt für Mentor Miftari Platz machte, vergab Slawo Chalaskiewicz zwei Riesenmöglichkeiten zum Ausgleich. Auf der Gegenseite rettete der kleine Pole mit den langen Haaren auf der Linie.

Ungefähr zehn Minuten waren noch zu spielen – das wusste wegen der langen Unterbrechung in dem Moment keiner mehr so ganz genau zu sagen. Fortuna Köln führte zeitgleich gegen Düsseldorf und hatte Nulldrei in der Tabelle wegen desbesseren Torverhältnisses überholt.

Da nahm sich der überragende Nulldreier der Saison das Leder. Marco Küntzel marschierte, überragend frei gespielt, Richtung Strafraum und überlupfte den Preußen-Keeper mit einer Selbstverständlichkeit, als handele es sich um ein X-beliebiges Trainingsspiel. Preußen Münster warf nun alles nach vorn. Nur ein Sieg der Gastgeber hätte ihnen die Chance auf Platz 2 erhalten. Enrico Röver traf aus 18 Metern die Latte und die meisten Nulldreier dachten wohl: Ok, lasst uns den einen Punkt mitnehmen. Doch einer hatte noch nicht genug: Es waren nur noch wenige Sekunden zu spielen, da dribbelte sich Marco Küntzel erneut in den 16er und vollendete überragend in die lange Ecke. Vom Innenpfosten knallte die Pille über die Linie und nach circa 105 Minuten war die Partie aus. Zahlreiche Nulldreier kletterten freudetrunken über den Zaun, um mit ihren völlig erschöpften Helden den wertvollsten Sieg der Saison zu feiern.

Es war die siebte Partie der Spielzeit, die Babelsberg nach Rückstand noch gewinnen konnte. Preußen-Trainer Stefan Grädler erkannte, dass seine Elf von der spielstärksten Mannschaft der Liga eine Lektion in Sachen Kampfkraft und Moral erhalten hatte. In dem denkwürdigen Spiel gegen Münster wirkten für Babelsberg am 2. Juni 2001: Kunze; März; Laaser, Petsch; Laars (66. Miftari), Gatti, Lorenz, Chalaskiewicz, Civa (79. Lazic); Röver, Küntzel.

Finaler Triumph im Karli gegen Fortuna Düsseldorf

Mit dem Auswärtssieg in Münster konnte nun nur noch Fortuna Köln den SVB von Platz 2 verdrängen. Der Vorsprung betrug drei Punkte. Allerdings hatte Köln ein besseres Torverhältnis. Mindestens ein Punkt musste gegen die abstiegsgefährdete Düsseldorfer Fortuna am letzten Spieltag im Karli her und eigentlich zweifelte niemand mehr, dass dieser wunderbaren Elf vom Babelsberger Park der sensationelle Zweitligaaufstieg gelingen würde.

Die Fortuna aus Düsseldorf schwebte in akuter Abstiegsgefahr und war nicht nur deshalb ein ernstzunehmender Gegner. In der ersten Hälfte war Nulldrei durchaus die Nervosität anzumerken und Düsseldorf hatte die besseren Möglichkeiten, vor 14.700 Zuschauern im Karli in Führung zu gehen. Doch Alex Kunze vereitelte selbst beste Chancen des Gegners.

Mit zunehmender Spieldauer stabilisierte sich unsere Elf. Es dauerte aber bis zur 87. Minute, als Martino Gatti plötzlich frei war und einen langen Sololauf aufs Düsseldorfer Tor hinlegte. Eiskalt vollendete der sympathische Deutsch-Italiener und die letzten drei Minuten waren nur noch Schaulaufen. Das Wunder von Babelsberg machten am 9. Juni 2001 folgende Spieler perfekt: Kunze; März; Laaser, Miftari; Laars (67. Lazic), Gatti, Lorenz(78. Tomcic), Civa, Chalaskiewicz; Küntzel, Röver.

Vielen Dank!

Mit dem Saisonfinale 2000/01 setzten Detlef Kaminski und Hermann Andreev als verantwortliche Akteure einen Meilenstein in der Babelsberger Fußballgeschichte. Die Helden dieser Zeit wie Martino Gatti, Slawomir Chalaskiewicz, Alexander Kunze, Michael Lorenz, Enrico Röver, Marco Küntzel, Björn Laars, Almedin Civa, Marco Laaser, Marcus Petsch oder Igor Lazic werden für immer ihren Platz in der Babelsberger Fußballhistorie behalten. Die außergewöhnliche Leistung, die mit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga gekrönt wurde, begeisterte zahlreiche Fußballfans in Potsdam und Umgebung und wirkt letztlich bis in die Gegenwart.

 

(mit freundlicher Genehmigung der Stadionzeitung NULLDREI des SVB)

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Vor dem Härtetest

Vorbereitung läuftIn den nächsten Tagen hat die neuformierte Nulldrei-Elf zwei echte Herausforderungen vor der Brust. Zunächst gastiert der tschechische Vertreter Bohemians Prag im Karli. Am kommenden Dienstag, 18.07.2017, dribbelt Union Berlin am Babelsberger Park auf.

Die beiden Begegnungen mit höherklassiger Konkurrenz werden zeigen, wo die Kiezkicker vierzehn Tage vorm Saisonstart stehen. Eine Entwicklung ist jedenfalls in den letzten Wochen wahrnehmbar.

Ansetzungen der Regionalliga Nordost 2017/18

Manch einer meint ja, der Saisonstart hätte maßgeblichen Einfluss auf den Saisonverlauf. Bekäme man ein günstiges Auftaktprogramm, würde man sogleich eine Serie starten und könnte sich fernab jeder Sorgen nur noch dem Kampf um den Aufstieg widmen. Andere wiederum behaupten, man solle von Spiel zu Spiel denken, und jedes angehen, als wenn es das Pokalfinale sei... Der Saisonauftakt startet jedenfalls mit einem mutmaßlich unbequemen Gegner. Die Charlottenburger Reservisten geben zum Auftakt ihre Visitenkarte im Karli ab.

Testspielstart zur Regionalliga 2017/18

70 Jahre Eintracht GlindowNach dem versöhnlichen Saisonabschluss mit Platz 5 in der Regionalliga-Spielzeit 2016/17 muss der SVB einen großen Umbruch bewältigen. Neu ist nicht nur, dass Almedin Civa nun auch die Verantwortung als Trainer übernommen hat. Auch zahlreiche Abgänge von Stammspielern, die die letzten Jahre prägten, sind zu verkraften. Das neue, sehr junge Team wird Zeit brauchen, sich zu finden. Die ersten Tests gegen Eintracht Glindow und Altona 93 zeigen, dass noch eine Menge Arbeit bevorsteht.

Funktionär mit Schulungsbedarf

Stephan Oberholz ist Richter am Leipziger Landgericht. Außerdem sitzt Oberholz dem Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) vor. Jenes NOFV Organ hat den FC Energie nach den Vorkommnissen beim Brandenburg Derby im Karli zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro und einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit verknackt. Der SV Babelsberg 03 wurde wegen „unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger“ mit einer Geldstrafe von 7.000 Euro belangt. Außerdem wurde für den Fall eines erneuten Abbrennens von Pyrotechnik der Ausschluss der Zuschauer bei einem Babelsberger Heimspiel angedroht.

Ist es Dummheit oder Willkür oder beides?

Schaut man sich die Entscheidungen der Fußballverbände der letzten Wochen und Monate an, sind Zweifel am Sachverstand der handelnden Funktionäre überaus angebracht. Die damalige Strukturreform der Regionalligen einschließlich der unsäglichen Einführung der Qualifikationsspiele zur Dritten Liga wird gegen jedes Sachargument mit teils abenteuerlichen Behauptungen verteidigt. Die sportfremde Aushebelung des Prinzips „Meister müssen aufsteigen“ scheint die Funktionäre nicht anzufechten.

Derby-Sieg im Karli

Brandenburg Derby: SVB vs. FCE 2:1Das Rückspiel gegen Energie Cottbus zeigte wieder einmal, welchen Unterhaltungswert Fußball im Karli haben kann. In einer spannenden Partie hatte der SVB schließlich das bessere Ende auf dem Platz für sich. Andis Shala und Apo Beyazit in der Nachspielzeit besorgten die Treffer zum 2:1 Heim-Erfolg für Nulldrei. Der Equipe gelang der Einstieg in einen versöhnlichen Saisonabschluss mit vier Dreiern in Folge. Hätten die Blau-Weißen alle Spiele so ernst genommen wie die Begegnung mit den Lausitzern, wäre in der Meisterschaft mehr möglich gewesen.

Eine Episode ist zu Ende

Cem Efe beim Trainingsauftakt 2016/17Vier Jahre lang betreute Cem Efe die erste Mannschaft des SVB als verantwortlicher Trainer in der Regionalliga. Nun hat Cem Efe festgestellt: „Ich habe andere Ziele.“ Das ist in gewisser Weise ebenso erfreulich wie erstaunlich. Im Frühjahr 2015 verlängerte der gebürtige Berliner unter deutlich schwierigeren Vorzeichen seinen Vertrag am Babelsberger Park und erklärte: „Nach Babelsberg gibt es nicht viel, was reizvoll für mich ist.“

Vielleicht fehlten dem gebürtigen Berliner, der 2001/02 als Spieler 14 Zweitliga-Partien für den SVB absolvierte und dabei zwei Tore erzielte, die richtigen Worte zum Abschied. Jedenfalls wirkten die Aussagen des 38jährigen merkwürdig distanziert und irgendwie fremd. Dennoch stimmt die Bilanz und wie es scheint, wird sich der dreifache Familienvater nun erstmal seinem Nachwuchs widmen.

EWP Sponsoring vor Neuordnung

SVB 2016_17Kürzlich teilten die Stadtwerke Potsdam GmbH (SWP) auf Anfrage von Potsdamer Medien mit, dass Sponsoring-Leistungen der SWP Tochter Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) an die drei größeren Leistungssportvereine SC Potsdam, Turbine Potsdam und Babelsberg 03 neu verteilt werden. Insgesamt werden durch den Stadtkonzern und seine Energieversorger-Tochter – ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Energieversorger E.DIS - jährlich rund 750.000 Euro für Werbemaßnahmen im Sport und in der Kultur ausgegeben. Außerdem würden vermehrt Anfragen auf Förderung aus den Bereichen Soziales und Umwelt gestellt, denen man zukünftig gerecht werden wolle.